Sick-Kaserne

Unterkunftsgebäude der Sick-Kaserne
Unterkunftsgebäude der Sick-Kaserne

 Mit dem Bau der neuen Kasernengebäude im Verlauf der Werder- und der Goebenstraße wurde Mitte des Jahres 1896 begonnen. Die Kaserne wurde dann für die Dauer von 25 Jahren zu einem Mietzins  von jährlich 6% der aufgewendeten Baukosten an den Militärfiskus vermietet.

Die Baukosten betrugen insgesamt 1.683.450 Reichsmark. 101.007 Reichsmark stellten die 6%-ige jährliche Miete dar.

Wegen der größeren Mannschaftstärke des Infanterieregiments 163 wurden fünf weitere Kasernengebäude und eine Offiziers-Speiseanstalt –das spätere Offiziersheim- errichtet, sodass nunmehr ein ganzer Kasernenkomplexen entstand.

Im Kasernement waren schließlich 1.100 Mann untergebracht. Zwar war für eine Übergangszeit wegen der Bauarbeiten eine provisorische Unterbringung nicht zu vermeiden - der Truppendienst fand zwischen Loren und Baustellen statt -, jedoch zu Beginn des Jahres 1899, also nach Ablauf von kaum zwei Jahren, waren sämtliche Kompanien in der Kaserne an der Werderstraße untergebracht. 

Als letztes militärisches Gebäude wurde am 19. August 1899 das Offizierskasino dem Regiment übergeben. 1913 erhielt das Regiment eine neu aufgestellte MG Kompanie zu sechs bespannten Gewehren, die in einem Neubau in der Nähe der Roonstraße und innerhalb des Kasernements untergebracht wurde. Die Bezeichnungen für diese neue Kaserne mögen zunächst verwirrend. Ob „Infanterie-Kaserne“, „163er-Kaserne“ ,“ Kaserne am Goebenplatz“ oder „Kaserne an der Werderstraße“ - alles beschreibt die damalige Sick-Kaserne .

Nach etwa 20 Jahren der Nutzung der Kasernements an der Goeben- und Werderstraße durch das Regiment 163 und Ersatztruppenteile , stellte sich nach der Demobilisierung für Neumünster die Frage nach einer preisgünstigen Verwertung der Immobilie. Also versuchte die Stadt, einen Truppenteil der Reichswehr bzw. eine Einheit der Sicherheitspolizei in die Garnison zu bekommen. Am 19. August 1920 jedoch ordnete das Reichswehr-Ministerium plötzlich an: infolge der Aufgabe der Garnison Neumünster werden die sämtlichen daselbst befindlichen militärischen Gebäude und Grundstücke entbehrlich.  Sie werden zur sofortigen anderweitigen Verwendung zur Verfügung gestellt.

Die nun zweckentfremdete alte Infanteriekaserne an der Goebenstraße diente nach dem 1. Weltkrieg als Unterkunft für gewerbliche Betriebe, für Behörden -Finanzamt und Katasteramt- und auch als Wohnung von Neumünster Familien. Die Kaserne hieß zeitweise im Volksmund „Klein Moskau“.

Nach der Machtergreifung Hitlers wandelte sich die politische Szene in Deutschland grundlegend: Zug um Zug begann die Vermehrung der Reichswehr zur späteren Wehrmacht. Am 25. April 1934 wurde zwischen der Stadt und dem Reich ein Kaufvertrag geschlossen. Für 1,4 Millionen Reichsmark ging die Infanterie-Kaserne in den Besitz des Fiskus über. In dem Vertrag verpflichtete sich die Stadt, eine kurzfristige und der Kaserne an Goebenstraße innerhalb weniger Monate sicherzustellen.

Trotz erheblicher Schwierigkeiten, vor allem auch wegen des Widerstands nördlicher NSDAP und SA Dienststellen, die einen Teil der Liegenschaften nutzten, setzte sich die Kommunalbehörde rasch durch und ließ die Anlagen bis zum 3. September 1934 räumen. Die Umbauarbeiten begannen. Im November 1935 wurde der Wasserturm der Kaserne gesprengt, er wäre heute ein architektonisches Schmuckstück.

Mit der Fertigstellung der neuen Kasernen an der Färberstraße und am Haart und im Rahmen der Namensgebung für alle Kasernen in der Stadt wurde die Kaserne in der Goebenstraße zu Ehren des Feldzugskommandeurs des Infanterieregiments 163, Oberst Sick, 1938 in „Sick-Kaserne“ umbenannt.

Nach Kriegsende wurden die Kasernen Neumünsters teilweise von britischen, später auch von dänischen und norwegischen Truppen beschlagnahmt. In der Sick Kaserne wurde nur einen Block für kürzere Zeit durch englische Truppen benutzt. Ansonsten dienten die erhaltenen Gebäude als Notunterkünfte für Flüchtlinge, ausgebombten und obdachlosen Familien, eben zur Überbrückung der schlimmsten Not.

Und das rege Bemühen der Kommunalbehörden, die verfügbaren Teile der Kaserne wirtschaftlich zu nutzen, deutet darauf hin, das zu dieser Zeit wohl kaum jemand in Erwägung zog, die Kaserne wieder ihrer ursprünglichen Verwendung zuzuführen. So war etwa in der Sick-Kaserne 1948 der Bau eines Lichtspieltheaters geplant und bereits genehmigt, die Verwirklichung scheiterte aber aus finanziellen Gründen. Die Polizeidirektion nutzte von 1949 bis 1958 Teile der Kaserne, ebenso das Technische Hilfswerk.

Am 30. April 1956 wirkte dann in der Kaserne eine Auskunftsstelle für den Eintritt in die Bundeswehr eingerichtet. Am 5. Juli 1956 wird auch die Standortverwaltung wieder eingerichtet, die ihre Arbeit in der Sick Kaserne wieder aufnimmt. Am 24. Juli wird das Panzerjägerbataillon 3 unter Oberstleutnant Schwarz aufgestellt. Er wird gleichzeitig  Standortältester in Neumünster.

Im Verlauf des Jahres 1957 verlegte dieses Bataillon in die Scholtz Kaserne. Im Juni 1957 wird das Quartiersmeisterbataillon 3 unter Major Gossingen in der Sick Kaserne stationiert. Es verlässt sie wieder am 15. März 1958 und wird nach Delmenhorst verlegt.

Dafür bezieht nun das Fernmeldebataillon 6 die Kaserne. Im April zog das Bataillon in die Hindenburg Kaserne um, in der es bis 1997 lag. Vom 1. April 1959 bis zu seiner Auflösung 1972 war das Versorgungsbataillon 186 in der Sick-Kaserne stationiert. Die aus ihnen vor begangenen Nachschubkompanie 180 blieb bis zum Dezember 1984 in der Sick Kaserne und ist bis 1994 im benachbarten Boostedt untergebracht gewesen. Nach 1959 und mit dem Auftrag zur Aufstellung der Panzerbrigade 18 ist etwas Uhr in den anfänglichen schnellen Wechsel eingekehrt.

Im Frühjahr 1992 beherbergt die Kaserne die Bundeswehrfachschulkompanie Neumünster, ein Standortinformationsbüro , Stab und Stabskompanie des Sanitätskommandos 600 , den Wallmeistertrupp des Verteidigungskreiskommandos  113  , dem Stab der Panzerbrigade 18 mit ihrer Stabskompanie , die Sanitätsgruppe Neumünster, die Standortdienstgruppe Neumünster, das Kaderpersonal des Panzerbataillons 181 und die Ausbildungskompanie Stabsdienst/MKF 2/6.

Ab Januar 1990 wurden DDR Übersiedler und Aussiedler in de zwei oberen Geschossen der Bundeswehrfachschulkompanie aufgenommen. 

Seit Mitte der 1980er-Jahre wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Fassaden der Kasernengebäude durchgeführt. Ziel war es, die Gebäude auch im Äußeren so zu sanieren, dass Stilbrüche der Nachkriegszeit so gut wie möglich beseitigt werden. Eine grundlegende Sanierung des Offiziersheims stand  ebenfalls noch aus, jedoch aufgrund der unklaren Zukunft der Bundeswehr wurden 1990 alle Sanierungsarbeiten eingestellt.

So kam es, dass die Kaserne im Jahre 1994 geschlossen wurde. Der ehemalige technische Bereich wurde abgerissen. Alle Unterkunftsgebäude befinden sich heute in einer Nachnutzung. Weiterhin wurden freie Flächen mit Wohngebäuden bebaut.