Chronik Panzerartilleriebataillon 185

Die Anfänge ab 1958

Wappen des PzArtBtl 185
Wappen des PzArtBtl 185

Die Geschichte des Panzerartilleriebataillons 185 beginnt am 01.10.1958. Im Zuge des schnellen Aufbaues der Bundeswehr wurden in den Anfangsjahren aus bereits aufgestellten Verbänden durch weitere Teilungen immer wieder neue Verbände geschaffen. So sollte denn auch zum 01.10.1958 in Neumünster mit der Aufstellung des I./FArtRgt 6 begonnen werden. Der endgültige Aufstellungsbefehl, der zufälligerweise der Aufstellungsbefehl Nr. 185 war, erging am 10.09.1958 (Anlage 1958/4); er wurde ergänzt durch einen Befehl über die Umbenennung von bestehenden und aufzustellenden Truppenteilen. Darin wurde verfügt, dass das zum 01.10.1958 in Neumünster aufzustellende Artilleriebataillon den Namen „Feldartilleriebataillon 177" zu führen habe.

Das Bataillon wurde aus Teilen des in Braunschweig stationierten FAR 1 und des in Flensburg stationierten III./FAR 6 gebildet. Beide Bataillone stellten Teile für die Stabsbatterie ab, das III./FAR 6 zusätzlich eine schießende Batterie unter Führung des BttrChefs Hauptmann Schröder und das FAR 1 einen Stamm von 37 Soldaten für eine weitere schießende Batterie unter Führung des BttrChefs Hauptmann Franz.

Mit der Führung des Bataillons wurde Major Richter „als stellvertretender Bataillonskommandeur" unter gleichzeitiger Beauftragung mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Bataillonskommandeurs beauftragt.

Am 06.10.1958 traf die Masse der für das neue Feldartilleriebataillon 177 vorgesehenen Personalabgabe in der Hindenburg – Kaserne in Neumünster ein. Die Zuweisung der artilleristischen Ausstattung in Form von 105 mm US – Feldhaubitzen erfolgte noch im Oktober 1958. Die Haubitzen kamen aus dem Gerätedepot Hesedorf im Bahntransport. Als Zugfahrzeuge wurden 5t LKW - Henschel - zugewiesen.

Über die erste Zeit der Aufstellung, der damit verbundenen Probleme und über besondere Vorhaben und Ereignisse erinnert sich der erste Bataillonskommandeur, der damalige Major und heutige Oberstleutnant a. D. Richter:

„Die Unterbringung in der Hindenburg - Kaserne in Neumünster war sehr eng, da dort bereits der Div Stab der 6. PzGrenDiv und der Rgt Stab ArtRgt 6 mit Stabsbatterie untergebracht waren. So wohnten die Offiziere zunächst im Hotel Harms und später in Uffz-Stuben in der Kaserne. Der Hptm d. Res. Schübeler vom Div Stab leistete bei der Unterbringung gute Dienste. Das eintreffende Personal entsprach bis auf wenige Ausnahmen den Anforderungen, die für die vorgesehenen Verwendungen Voraussetzungen waren. Die Soldaten gingen mit viel Eifer an die neuen Aufgaben heran. Es trafen dann auch erste Gerätekisten ein, die allerdings nur mit Hilfe mitgebrachter Werkzeuge der Soldaten geöffnet werden konnten, da Zangen, Hämmer und sonstige dienstlich zu liefernde Geräte noch nicht vorhanden waren. Die Ausbildung in den Einheiten wurde leider immer wieder durch Abkommandierungen von Soldaten zu Lehrgängen erschwert, sodass ein Zusammenwachsen der Einheiten nur langsam vorankam.

Obwohl das Bataillon noch in den Kinderschuhen steckte, wurde bereits 1958, wie bei Artilleristen üblich, der Geburtstag der heiligen Barbara gefeiert. Diese Barabarafeier fand in der Turnhalle der Hindenburg - Kaserne statt. Neben den Offizieren des Bataillons nahmen Offiziere des Rgt-Stabes AR 6 und des III./ FAR 6, sowie der stellv. Divisionskommandeur Oberst Markert teil. Weitere Gäste waren der Vorsitzende des Kreisverbandes Neumünster des Verbandes deutscher Soldaten, GenMaj a. D. Richard Daniel, sowie der Kdt des MunDep Boostedt, Maj Schulz. Letzterer hatte den Aufbau des „Feldlagers“ durch Material und Hilfskräfte unterstützt. Im Frühjahr 1959 beginnend wurden die Divisionen des Heeres nach der Heeresstruktur 2 („Division 59") umgegliedert. Im Zuge dieser Umgliederung entstand auch die der 6. PzGrenDiv unterstellte PzBrig 18, der das PzArtBtl 185 angehören sollte. Zunächst wurde das FArtBtl 177 am 02.02.1959 in Panzerartilleriebataillon 185 umbenannt. Die Vollzugsmeldung des Btl über die erfolgte Umgliederung und Umbenennung ist erhalten geblieben. Zum besseren Verständnis ist zu erwähnen, dass nunmehr alle Batterien nummeriert waren, d.h. die 1. Batterie wurde die Stabs- und Vers-Bttr, die bisherige 1./177 und 2./177 wurden 2./185 bzw. 3./185. Als „neues“ Waffensystem erhielt das Bataillon die Panzerhaubitze 105 mm M7B2. Die Haubitzen waren jedoch sehr reparaturanfällig und Ersatzteile fast gar nicht zu bekommen.

Vom 21.03 .1959 bis 26.03 .1959 hatte das Btl seinen ersten Truppenübungsplatzaufenthalt in MUNSTER-SÜD durchzuführen. Man kann ermessen, wieviel intensive Ausbildung in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit durchzuführen war, um die Voraussetzungen für einen Übungsplatzaufenthalt mit Scharfschießen zu schaffen. Zu erwähnen ist, dass der Transport der Kettenteile auf dem Schienenweg 2 Tage dauerte, die Soldaten waren in mit Stroh ausgelegten Viehwaggons untergebracht. Am 23.03.1959 wurden die ersten Batterieschießen und am 24.03.1959 eine Besichtigung der 3. Batterie durchgeführt.

Gerade aus MUNSTER-SÜD zurückgekommen, bezog das Panzerartilleriebataillon 185 am 27./28.03.1959 die neue Truppenunterkunft BOOSTEDT. Die Kaserne in Boostedt trug damals noch keinen Namen. Die Kaserne war zu der Zeit überbelegt, für das neue Btl 185 waren zunächst nur begrenzte Unterkunftsmöglichkeiten vorhanden. Die Unterbringung erfolgte im nordostwärtigen Teil, in dem später das NschBtl 6 untergebracht war. Es standen zunächst nur 2 Unterkunftsgebäude, 1 Zuggebäude und 1 Kammergebäude für die Unterbringung des Stabes und der 3 Batterien zur Verfügung. Die Belegung war so eng, dass die Räume, die als Waffenkammern vorgesehen waren, mit ca. 30 Soldaten belegt wurden, Spinde auf den Fluren stehen mussten und der Stab unter beengten Bedingungen mit Teilen des Zug- und Kammergebäudes auskommen musste. Erst im Herbst 1959 erhielt das Btl ein zusätzliches Unterkunftsgebäude, sodass die Unterbringung von da ab als normal bezeichnet werden konnte.

Die endgültige Verlegung in den Bereich, in dem das PzArtBtl 185 zuletzt in Boostedt zu Hause war, erfolgte im Januar 1962, als die bis dahin vom PzGrenBtl 182 genutzten Unterkünfte durch Verlegung dieses Btl nach Bad Segeberg frei wurden.

Vom 06. - 12.06.1959 befand sich das Btl erneut in MUNSTER-SÜD, diesmal im Biwak. Hier erfolgte die Besichtigung der 2. Batterie.

Zum 01. 07. wurde die bisherige Personalunion stellv. BtlKdr/BttrChef l./Bttr getrennt. Der stellv. BtlKdr war nun zugleich S3, während die Stelle BttrChef 1./Bttr mit der Funktion des S4 gekoppelt wurde. Auf diese neue Stelle wurde Hptm Egge zu versetzt, der bisherige S3-Offz, Hptm Lindig, wurde versetzt.

Am 24.07.1959 veranstaltete das Btl seinen ersten Bataillonsball in Neumünster in der Wappenklause. Im August des Jahres 1959 hielt ein nicht alltägliches Ereignis die Soldaten der Truppenunterkunft Boostedt in Atem. In der Küche des Panzerbataillons 183 wurden Salmonellen festgestellt und die Kaserne daraufhin vom 22.08. bis 11.09.1959 unter Quarantäne gestellt. Es durfte niemand die Kaserne betreten oder verlassen. In diesen drei Wochen lief die Versorgung der Kaserne nur bis vor das Tor, dort wurden die Waren von Soldaten in Empfang genommen und in die Küchen bzw. Kantinen weitergeleitet. Das große Engagement der Dienstgrade, welche Sportfeste, Wettbewerbe aller Art und gesellige Veranstaltungen organisierten, ließ diese Zeit jedoch schnell vergehen. Das Ende der Quarantäne wurde offiziell an der Wache, durch Zerschneiden eines Bandes durch den BtlKdr verkündet. Von den Soldaten wurde die Quarantäne-Zeit wegen der vielen Veranstaltungen, die der Zerstreuung der Soldaten dienten, sinnigerweise „Boostedter Pestspielwochen“ genannt.

Nach einer Rekrutenvereidigung am 07.09.1959 in Boostedt erfolgte am 19.09.1959 der Abmarsch der PzBrig 18 nach Bergen-Hohne - PzArtBtl 185 als Marschgruppe 4 - zum Biwak „LÖTZEN". Ab 24.09.1959 fand in Bergen-Hohne eine Brigadeübung statt, die am 26.09.1959 mit einer Parade vor dem BrigKdr ihren Abschluss fand. Danach verlegte das Btl von „LÖTZEN“ nach MUNSTER SÜD in das Biwak „D“ zu Schießübungen, u. a. zu einem RgtSchießen des ArtRgt 6 am 09.10.1959.

Im Rahmen der Weihnachtsfeier am 21.12.1959 zog der Bataillonskommandeur, Major Richter, das Fazit der ersten 15 Monate des Verbandes. Das Bataillon hatte seine ersten Übungen und Scharfschießen mit Bravour hinter sich gebracht. Komplizierend bei der Ausführung des Auftrages war die Tatsache, dass fortlaufende Abgaben für Neuaufstellungen die gerade erst entstandenen Einheiten stark belasteten. Trotzdem waren alle Probleme und Schwierigkeiten, die insbesondere mit der Neuaufstellung zusammenhingen, gelöst worden.

 

Die 1960er Jahre

Im Jahre 1960 wurde viel von „Konsolidierung der Bundeswehr" gesprochen, aber infolge weiterer Neuaufstellungen waren immer wieder personelle Veränderungen erforderlich, wodurch Ausbildung und Zusammenwachsen der Einheiten erschwert wurden. Trotzdem gelang es, gute Ausbildungsergebnisse zu erzielen, wozu die Truppenübungsplatzaufenthalte mit Scharfschießen in MUNSTER - SÜD vom 12.03. - 19.03.1960 und vom 19.06 - 25.06.1960 maßgeblich beigetragen haben.

Am Vorabend des 17. Juni fand, wie bereits 1959, die große Vereidigung aller Rekruten des Standortes statt. Sie wurden im Rahmen eines Großen Zapfenstreiches im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten von SCHLESWIG - HOLSTEIN und späteren Verteidigungsministers, Kai-Uwe von Rassel, durchgeführt, der auch die Ansprache hielt.

Höhepunkt des Ausbildungsjahres bildete schließlich die NATO - Übung „HOLD FAST" vom 19.09. - 24.09.1960, die bis dahin die größte NATO - Übung in der Bundesrepublik war. An ihr beteiligten sich ca. 45000 deutsche, dänische, britische, belgische und kanadische Soldaten mit über 12000 Fahrzeugen. Das PzArtBtl 185 nahm daran im Rahmen der PzBrig 18 teil. Der Einsatz erfolgte in wechselnden Räumen zwischen NORD-OSTSEEKANAL und der Autobahn HAMBURG - LÜBECK. HOLD-FAST war ein Manöver mit vielen Höhepunkten, strapaziösen Einsätzen und auch zum Schmunzeln herausfordernden Ereignissen, wie z. B. die Gefangennahme des Major Egge durch die Kanadier. Er hatte sich zu weit nach vom gewagt! Den Abschluss der Übung bildete ein Manöverball in OSTERRÖNFELD.

Zum 01.09.1961 wurde in BOOSTEDT die Ausbildungskompanie 7/6 aufgestellt, die Rekruten für die Artillerietruppen der 6. PzGrenDiv ausbilden sollte. Die Kompanie wurde dem PzArtBtl 185 truppendienstlich unterstellt (Anlage 196111). KpChef wurde der zum 01.04. als z.b.V-Offizier zuversetzte Hptm Andresen, KpFw der vom FArtBtl 61 zuversetzte HFw Buck. Am 13. August dieses Jahres erfolgte der Mauerbau der „DDR". Als Folge dieses Ereignisses wurde die Wehrpflicht von 12 auf 18 Monate verlängert. Das hatte natürlich erhebliche Auswirkungen auf Planung und Ausbildung in der Bundeswehr.

Inzwischen war das Btl mit einem neuen gepanzerten Beobachtungsfahrzeug ausgerüstet worden - dem Schützenpanzer kurz Beob-Hotchkiss - (SPZ). Dieser Beobachtungspanzer wurde der Standard-Beobachtungspanzer der Panzerartillerie, er hatte mehr Schwächen als Stärken. Gegenüber den bisherigen Behelfslösungen mit 0.25t, l.5t usw., bedeutete er doch einen erheblichen Schritt vorwärts. Vom 30.09. - 01.10.1961 fand ein Reitturnier der 6. Division in NEUMÜNSTER statt, an dem sich vom Bataillon die Hauptleute Schröder, Andresen und Schönfeldt sowie Major Voigtländer erfolgreich beteiligten.

Am 03 .11.1961 nachmittags besuchte der dänische Oberbefehlshaber das Bataillon. Nun wurde das ArtKleinkaliber-Schießgerät auf dem StOÜbPl vorgeführt. Am 04.12.1961 fand wieder eine gemeinsame BARBARA-Feier mit den ArtOffz des ArtRgt 6 im Seefliegerhorst SCHLESWIG beim FArtBtl 61 statt.

Vom 11.12. - 20.12.1961 war das Bataillon nochmals auf dem TrÜbPl MUNSTER-SÜD zur Durchführung von ArtSchießen, es herrschte zeitweise eisige Kälte.

Eine Weihnachtsfeier konnte in diesem Jahr aus Termingründen und bereits begonnener Weihnachts-Dienstbefreiung nicht stattfinden. Zum 29.12. wurde der Bataillonskommandeur endlich zum Oberstleutnant befördert – so lange musste man sich in jenen Zeiten „bewähren“!

Das Jahr 1962 stellte das Bataillon gleich zu Anfang vor ganz neue, andere Aufgaben: Am 12.02.1962 brach über die NORDSEE ein Orkan herein, der zu einer verheerenden Sturmflut führte, die viele Deichbrüche verursachte und leider auch viele Menschenopfer forderte. Große Teile der im NORDEN der Bundesrepublik stationierten Truppenteile mussten zum Katastropheneinsatz ausrücken, so auch Teile des PzArtBtl 185. Das Bataillon wurde vom 16.02. - 22.02.1962 auf der Halbinsel EIDERSTEDT eingesetzt, wo die Soldaten auf den Deichen Pfähle rammen und Faschinen festmachen mussten. Die Arbeiten waren bei dem anhaltenden Sturm schwer, aber die Soldaten trotzten allen Widrigkeiten des Wetters und vollbrachten hervorragende Leistungen.

Der Einsatz der Bundeswehr fand damals uneingeschränktes Lob in der Öffentlichkeit und zum Ende des Jahres konnten auch viele Soldaten unseres Bataillons die vom Land SCHLESWIG- HOLSTEIN verliehene Sturmflut - Medaille in Empfang nehmen. Kurze Zeit nach diesem Einsatz verlegte das Bataillon vom 26.02. - 07.03.1962 auf den TrÜbPl MUNSTER - SÜD, wo es im Lager TRAUEN in Zelten untergebracht wurde. Es fanden dort wieder Batterie- und Bataillonsübungen und Schießen statt. Auch ein Regimentsschießen wurde durchgeführt, bei dem sich das Bataillon durch schnelles und genaues Schießen auszeichnete. Das Jahr 1962 war weiterhin mit vielen Übungsvorhaben ausgefüllt. So war das Bataillon vom 01.04. - 04.04.1962 wieder in PUTLOS und vom 01.06. - 09.06.1962 im Rahmen der PzBrig 18 auf dem TrÜbPl BERGEN - HOHNE. Zwischendurch mussten die durch die Unterstellung der Ausbildungskompanie 7 /6 bedingte Rekrutenvereidigung und die Besichtigung durchgeführt werden, was eine erhebliche Mehrbelastung darstellte.

Anfang November brachte die Kuba-Krise die Welt an den Rand einer Katastrophe. Die weltpolitischen Ereignisse sind bekannt, in der Bundeswehr gab es einen Höchststand an Alarmierung. Wie alle Verbände, musste auch das Btl 185 mehrere Tage in Alarmbereitschaft in der Kaserne ausharren, bis es zur Entwarnung kam.

Zum 01.11.1962 wurde in BOOSTEDT eine weitere Ausbildungseinheit zur Ausbildung von Rekruten für die Artillerietruppen der 6.PzGrenDiv aufgestellt - die Ausbildungsbatterie 16/6 -, die ebenfalls dem PzArtBtl 185 truppendienstlich unterstellt wurde. BttrChef wurde der vom FArtBtl 61 zuversetzte OLt Sievert, BttrFw der HFw Gebhardt. Die Aufnahme der ersten Rekruten war zum 01.01.1963 vorgesehen. Am 04.12.1962 wurde nach alter Artilleristenmanier das Fest der „HEILIGEN BARBARA" begangen und am 20.12.1962 das Jahr mit einer Weihnachtsfeier, bei der die verliehenen Sturmflut-Medaillen ausgehändigt wurden, abgeschlossen.

Die im letzten Jahr aufgestellte Ausbildungsbatterie 16/6 brachte zusätzliche Aufgaben für das Bataillon im Jahre 1961. Es mussten nunmehr in beiden Ausbildungsbatterien vierteljährlich Rekrutenbesichtigungen durchgeführt werden, die im allgemeinen jeweils zwei Tage in Anspruch nahmen. Die Ausbildungsbatterie 16/6 bildete in erster Linie Rekruten für die Raketenartillerie der Division aus. Beide Ausbildungsbatterien waren nun auch für Schießübungen auf dem Übungsplatz PUTLOS mit einzuplanen.

Am 01.10. dieses Jahres bestand das Bataillon 5 Jahre; eine besondere Geburtstagsfeier wurde nicht veranstaltet.

Am 02.10. wurde in BOOSTEDT der vom damaligen Regimentskommandeur, Oberst Freiherr von Wangenheim, ins Leben gerufene „Artilleristentag" durchgeführt, zu dem Reservisten und aktive Offiziere der Artillerie aus ganz SCHLESWIG - HOLSTEIN und HAMBURG eingeladen wurden. Auf dem Standortübungsplatz wurde eine Lehrvorführung und anschließend in der Kaserne eine Kfz- und Technik - Schau durchgeführt.

Das Ausbildungsjahr 1964 begann mit einer Stabs-Fernmeldeübung im Februar und Schießübungen mit kleinkalibrigen Waffen auf dem Übungsplatz PUTLOS im April. Als „Ausbildungsschwerpunkt" im gesellschaftlichen Bereich wurden gleich zu Jahresbeginn zwei größere Bälle durchgeführt. Es waren der Artillerieball des Artillerieregiments 6 im Hotel BELLEVUE in KIEL am 08. Februar und der Brigadeball in BOOSTEDT am 28. Februar.

Ein Schwerpunkt des Kommandeurs ArtRgt 6 lag in dieser Zeit in der Forcierung der Zusammenarbeit mit der Marine. So wurde das Bataillon auch an Besprechungen mit der Landungsflotte in WILHELMSHAVEN im Hinblick auf artilleristische Zusammenarbeit bei amphibischen Unternehmen beteiligt. Zunehmend bereiteten die Panzerhaubitzen Kummer, ihre Motoren und Fahrwerke wurden immer anfälliger. Die sich bereits in der Erprobung befindlichen PzHaubitzen 155 mm M109 konnten jedoch noch nicht ausgeliefert werden, da ihre Umrüstung auf deutsche Erfordernisse sehr zeitaufwendig war.

Vom 06. - 13.06. verlegte das Bataillon erneut auf den TrÜbPl MUNSTER - SÜD und führte dort zahlreiche Artillerieschießen durch, die mit einem Regimentsschießen am 13.06. abgeschlossen wurden. Dieser Truppenübungsplatzaufenthalt war das letzte größere Vorhaben unter dem ersten Kommandeur - Oberstleutnant Richter. 5 Jahre und 9 Monate hatte er das Bataillon von der ersten Stunde an geführt. Unter schwierigen Bedingungen wurde ein funktionstüchtiger Verband aufgestellt, dessen Leistungen anerkannt gut waren. Neben allen Anforderungen der Ausbildung gab es für die Führung zusätzliche Schwierigkeiten.

Am 01. Juli 1964 übernahm dann Major Hunger das Bataillon. Er war vorher Lehrgangsteinnehmer am Generalstabslehrgang Mittlere Führung („Exotenlehrgang") an der FüAkBw in HAMBURG-BLANKENESE und davor 3,5 Jahre Hörsaalleiter Batterieführer Lehrgänge an der Artillerieschule in IDAR-OBERSTEIN.

Der Anfang war für den neuen Kommandeur schwierig, da keine richtige Übergabe/Übernahme stattfand und im BtlStab die Dienstposten der Schreibkraft im Vorzimmer des Kommandeurs und des S3-Feldwebels unbesetzt waren. Das Nachbesetzen nahm einige Zeit in Anspruch. Die Offizierstellenbesetzung war zudem in dieser Zeit auch sehr angespannt, häufig wurde das „Notsoll“ nicht erreicht. Dagegen verfügte das Btl über tüchtige, gut ausgebildete Portepee-Unteroffiziere, meist mit BGS Vordienstzeiten. Vom 21. - 24. 09. wurde die letzte Doppelbesichtigung der AusbKp 7 /6 und der AusbBttr 16/6 durchgeführt. Die AusbBttr 16/6 verlegt zum 01.10. unter Führung von Hauptmann Sievert nach ALBERSDORF.

In rascher Folge wurde das Btl vom 05. - 07. 10. zum Handwaffenschießen in PUTLOS und vom 13. - 15. 10. bei der NATO - Übung „BUNKER HOLD" eingesetzt. Bei dieser Übung wurden wohl die ersten Kontakte zwischen Mitgliedern der Kyffhäuser Kameradschaft EMKENDORF und Unteroffizieren der 1. Bttr aufgenommen, die später zur ersten Patenschaft im Bataillon führen sollten. Für das ArtRgt 6/DivArtFhr 6 richtete das Btl am 15.11. ein Rgt-KK-Schießen für Offiziere in BOOSTEDT aus.

Das Ausbildungsjahr 1965 begann mit einem TrÜbPl Aufenthalt vom 25. - 28. 01. in PUTLOS (Schießen mit Handwaffen). Dabei fand am 27. 01. ein Nachtschießen statt. In die Rekrutenbesichtigung der AusbKp 7/6 am 23./24.03. platzte am 23.03. die NATO Alarmübung „Quick Train“, d. h. feldmäßiges Ausrücken des ganzen Btl in vorgesehene Auflockerungsräume so schnell wie möglich. Durch organisatorische Maßnahmen konnten beide Vorhaben reibungslos durchgeführt werden. (Alarmübung „QUICK TRAIN“ lag die Annahme der NATO zugrunde, die WP - Staaten würden versuchen, überraschend die vorne stationierten Truppen der NATO anzugreifen, sodass diesen kaum Zeit für vorbereitende Alarmierungsmaßnahmen bleiben würde. Diese Art der Alarmierung wurde noch lange Zeit so durchgeführt, bis sie in den 70er-Jahren von der NATO-Alarmübung „ACTIVE EDGE" abgelöst wurde, deren abgestufter Alarmierungsform die Annahme der Möglichkeit eines rechtzeitigen Erkennens von Angriffsvorbereitungen des WP zugrunde lag). Am Ende des 1. Quartals - 29. 03. - übernahm Oberleutnant Altekrüger die 3. Bttr von Hauptmann Meyer, der wiederum die AusbKp 7/6 von Hauptmann Andresen übernahm.

Am 23.04. erhielt das Btl im Rahmen einer Großveranstaltung im PREUßEN-Stadion in MÜNSTER die vom Bundespräsidenten gestiftete Truppenfahne aus der Hand des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Ulrich de Maiziere. Hierzu fuhren von allen Btl des Heeres Abordnungen, bestehend aus Kommandeur und Fahnengruppe (ein PortUffz als Fahnenträger und zwei Offiziere) mit LKW 0,25 t am 22.04. sternförmig nach MÜNSTER. Nach der Zeremonie fand ein Empfang für alle Kommandeure und viele Ehrengäste im historischen Rathaus von MÜNSTER (Westfälischer Friede 1648 / Beendigung des 30jährigen Krieges) statt. Der Rückmarsch wurde einheitlich für alle Abordnungen auf den 24. 04. festgelegt. Am 23. 04. fand jedoch der Unteroffizierball des Btl statt. Kantinenpächter Pagel stellte daher seinen leistungsfähigen BMW zur Verfügung, mit dem ein Fahrlehrer des Btl den Kommandeur und die Fahnenträger noch rechtzeitig zu dieser Veranstaltung nach Boostedt bringen konnte.

Während des TrÜbPl Aufenthalts vom 02. bis 12. 05. in MUNSTER-SÜD wurde am 04. 05. im Lager TRAUEN bei einem Appell die Truppenfahne dem Btl vorgestellt.

Nachdem bisher alle Schießvorhaben stets erfolgreich verlaufen waren, kam es beim RgtSchießen am 11. 05. zu einem Weitschuss in die Müll-Deponie MUNSTER. Nach einer Marschkompass-Analyse am Aufschlagort wurde durch den Leiter der Gruppe Schießtechnik MUNSTER die 2./PzArtBtl 185 als Verursacher festgestellt, und es wurde sofort mit den Untersuchungen begonnen. Alle anderen mitschießenden Bttr des Regiments durften Stellungswechsel machen, obwohl in den FStRäumen 31 - 3 3 noch zwei weitere Batterien rechts und links von der 2./PzArtBtl 185 eingesetzt waren, die für den Kurzschuss ggf. hätten in Frage kommen können, nun jedoch wegen des Stellungswechsels nicht mehr überprüft werden konnten. Nach umfangreichen Untersuchungen und Vernehmungen der beteiligten 2. Batterie am 13. 05. 1965 in BOOSTEDT, auch durch Oberstaatsanwalt Fink vom Landgericht LÜNEBURG, wurden die Ermittlungen ergebnislos eingestellt.

Die 1964 begonnenen Kontakte des Unteroffizierkorps 1. Batterie zur Kyffhäuser Kameradschaft EMKENDORF wurden am 04.09. durch Besuch einer Abordnung aus EMKENDORF in BOOSTEDT vertieft und am 19.09. mit einer Patenschaft beschlossen.

Der Gewässerlage Schleswig-Holsteins Rechnung tragend führte das Btl am 31. 08./01. 09. eine Einsatz- und Übersetzübung über den NORD-OSTSEE-KANAL aus dem Raum KRUMMENORT heraus durch.

Für Anfang 1966 war das Btl zur Umrüstung auf das Waffensystem PzH M 109 G - 155 mm - vorgesehen. In der Grundbeladung des Btl befand sich jedoch noch eine größere Menge panzerbrechender Munition 105 mm, die bei dem noch für dieses Jahr geplanten TrÜbPl Aufenthalt nicht mehr verschossen werden konnte. Nach Verhandlungen mit der TrÜbPlKdtr PUTLOS, (dort war man froh, dass die auf dem Platz vorhandenen Pz-Ziele einmal richtig beschossen werden sollten), erreichte der Kommandeur einen zusätzlichen TrÜbPl Aufenthalt mit Biwak in der Zeit vom 27. 09. bis 01. 10. Die Ausbildungsziele, Direktes Richten mit PzMun sowie Schießen auf Erd- und Luftziele mit Kal 50, wurden mit viel Engagement und Können voll erreicht. Am 28. 09. wurde die Übung mit einem KpSchießen des PzGrenBtl 182, BAD SEGEBERG, gekoppelt. Der Erfolg war so groß, dass die Kdtr PUTLOS nun keine Panzerziele mehr besaß. Das Btl musste auf mühseligem Wege Ersatz von der Standortkommandantur MUNSTER beschaffen.

Den letzten TrÜbPlatz Aufenthalt mit dem Waffensystem PzH M7 B2 führte das Btl vom 06. - 20. 11. in MUNSTER-SÜD durch. Dabei Teilnahme an der Übung MOORBOCK 12./13. 11. und Durchführung von Feuerleitübungen im scharfen Schuss, zweimal im Btl-Rahmen und einmal Beteiligung im Rgt-Rahmen.

Zu Beginn des Ausbildungsjahres 1966 wurde der Kommandeur am 20. Januar zum Oberstleutnant befördert.

Zur Vertiefung der Feuerleitarbeit im Btl wurde am 24./25. 01. ein Btl-KK-Schießen auf dem StOÜbPl BOOSTEDT durchgeführt. Die bereits Ende 1965 begonnene Kaderausbildung M 109 G für das Btl beim PzArt(Lehr)Btl 95 in MUNSTER wurde fortgesetzt. Diese Phase endete mit der Übernahme des Waffensystems in MUNSTER am 10. 02. und einem Schießen des Kaders PzArtBtl 185 am 11. 02. im Beisein des Bataillonskommandeurs. Gleichzeitig wurde das Waffensystem M7B2 stillgelegt. Die PzH M 109 G trafen am 16. 02. in BOOSTEDT ein, was in einem Tagesbefehl des Bataillonskommandeurs gewürdigt wurde. Diesem Ereignis folgte am 17. 02. Eine Nachtübung des Btl einschließlich der AusbKp 7 /6, jedoch ohne Geschütze.

Mit dem Waffensystem PzH M 109 G wurde das Btl als erster Verband des Heeres nach den PzArtLehrBtl'en in MUNSTER und in KUSEL ausgerüstet. So war es ganz natürlich, dass sich Divisionskommandeur und Brigadekommandeur am 06. 04. das Geschütz M 109 G eingehend vorstellen ließen. Das alte Waffensystem M7B2, das trotz aller Mängel dem Btl treue Dienste geleistet hatte, wurde am 15. 04. zur Abgabe verladen. An diesem Tag waren alle 12 PzH voll einsatzbereit, einschließlich der problematischen Funkanlagen. Welch ein Wunder!

In den Monaten Mai/Juni wurden am 20.05. wieder einmal die NATO-Alarmübung „QUICK TRAIN" ausgelöst, am 10.06. das Feierliche Gelöbnis der AusbKp 7/6 geleistet und die Rekrutenbesichtigung der AusbKp 7/6 am 23./24.05. und auf besonderen Befehl der Brigade auch die Besichtigung der Ausbildungskompanie 9/6 (PzGrenBtl 182) am 27./28.06. durchgeführt.

Der Wanderpreis der PzBrig 18 "Beste Küche des Monats" wurde dem Btl am 12.07., nach dreimaligem Gewinn hintereinander und 5mal insgesamt, endgültig verliehen. Der Wettbewerb beinhaltete eine überraschende Abstimmung aller Essensteilnehmer in den Truppenküchen der Brigade an einem Tag des Monats. Mit der endgültigen Erringung des Wanderpreises war der Wettbewerb abgeschlossen; er hatte wesentlich zur Verbesserung der Truppenverpflegung beigetragen. Am 01.04. wurde Chef 3. Bttr, Oberleutnant Altekrüger, zum Hauptmann befördert und am selben Tag traten Oberleutnant Broszon als Technischer Offizier und Regierungsinspektor Tarnow als Leiter Truppenverwaltung ihren Dienst an.

Im Anschluss an das Feierliche Gelöbnis der Rekruten der AusbKp 7 /6 überreichte am 21.09. der Regimentskommandeur ArtRgt 6 dem Bataillonskommandeur den Wanderpreis "Sieger Beobachter-Wettbewerb der Artillerie 6 PzGrenDiv".

Der bisherige Technische Offizier, Hauptmann Wolfslast, und der bisherige Leiter Truppenverwaltung, Regierungsamtmann Renner, wurden bei einem Herrenabend am 27. 09. verabschiedet.

In der Zeit der Vorbereitungen zur Divisionsübung „SCHW ANSEN" fand am 08. 10. der Herbstball des Unteroffizierkorps PzArtBtl 185 statt.

Die Divisonsübung vom 17. - 19. 10. hatte den Schwerpunkt Uferwechsel über den NORD-OSTSEE-KANAL in beide Richtungen unter kriegsmäßigen Bedingungen. Das Btl hatte zu dieser Zeit ein Problem mit den Kettenpolstern der PzH M 109 G, die sich gelegentlich während der Fahrt lösten. Durch ähnliche Mängel an FlaPanzern der HeeresFlaSchule war kurz zuvor im Straßenverkehr ein Kind im nachfolgenden PKW durch Kettenpolster tödlich verletzt worden. Diese Lage meldete der Bataillonskommandeur dem Brigade- und dem Divisionskommandeur und wies eindringlich auf die kaum zu verantwortende Teilnahme der PzH M 109 G am öffentlichen Straßenverkehr hin. Der Divisionskommandeur, Generalmajor Niepold, wollte jedoch unbedingt das neue Waffensystem M 109 G u. a. bei einem nächtlichen Uferwechsel über den Kanal mittels einer Kriegsbrücke im Raum SEHESTEDT der Presse vorstellen. So wurden 12 Tieflader aus KROPP befohlen, um die PzH während der Übung zu bewegen. Eine ungewohnte Situation, vor allem beim Beziehen von Feuerstellungen in SCHW ANSEN und beim zweiten Uferwechsel auf Pionierfähren in einer Last. Alle Schwierigkeiten wurden jedoch gut gemeistert, wir konnten stolz sein.

Zur Namensgebung „RANTZAU-KASERNE" führte das Btl den feierlichen Appell am 30. 11. durch. Bei heftigem Wind und Schneetreiben enthüllten die 72jährige Gräfin Henriette zu Rantzau und Generalmajor Niepold die Namenstafel am Kasernentor. Der Landrat des Kreises SEGEBERG, Graf Schwerin von Krosigk, erinnerte in seiner Festrede an die Verdienste der Angehörigen des schleswig-holsteinischen Adelsgeschlechts Rantzau, die seiner Meinung nach seit dem 12. Jahrhundert Hervorragendes sowohl in militärischer als auch in kultureller Hinsicht geleistet hatten. Drei Söhne der Gräfin zu Rantzau waren ebenfalls zugegen. Ein Empfang schloss sich diesem Ereignis an.

Am Abend dieses Tages fand in unserer Patengemeinde das erste Schlosskonzert im Herrenhaus EMKENDORF vor geladenen Gästen statt. Dabei unterstützte das Btl die Besitzer, Baronin und Baron von Lüttwitz-Heinrich, durch Vermittlung der Kammerkonzertbesetzung des Heeresmusikkorps 6 und durch Hilfe bei der Organisation.

Für das Ausbildungsjahr 1967 waren einschneidende Sparmaßnahmen befohlen worden. Es galt, die neuen Panzerhaubitzen zu schonen, vor allem auch die Kettenpolster durch geringere Kilometerleistungen. Gespart werden musste auch an Betriebsstoffen und auch die Zuweisungsrate für Artilleriemunition wurde herabgesetzt. Die Ausbildungsmöglichkeiten mussten den veränderten Bedingungen angepasst werden.

Am 11.01. gab es ein trauriges Ereignis. Der stellvertretende Wachhabende der Nordtor-Wache, Obergefreiter Blohm, wurde bei der Wachbeendigung vermisst. Nach einer Suchaktion wurde er zwischen den Wällen der Kleinkaliber-Schießanlage tot aufgefunden. Wegen Beziehungsschwierigkeiten hatte er mit einer Dienstpistole sein Leben beendet.

Der vom ehemaligen Befehlshaber, Admiral Rogge, gestiftete Wanderpokal für alle Verbände der Bundeswehr im Wehrbereich 1 wurde am 20.03. nach anstrengenden Vorrundenkämpfen von der Handballmannschaft des Btl gewonnen. Eine Trophäe, auf die wir noch lang stolz waren. Am 07. April gab es dann den 2. Kommandeurwechsel in der Bataillonsgeschichte. In einem feierlichen Appell übergab der Brigadekommandeur, Oberst Berke, das Bataillon von Oberstleutnant Hunger an Major Borchardt. Mit anerkennenden Worten wurden die Leistungen des scheidenden Kommandeurs gewürdigt, der nun eine zweite Kommandeurverwendung beim Raketenartilleriebataillon 62 in Kellinghusen erhielt. Ein Essen des scheidenden Kommandeurs mit dem Unteroffizierkorps und den Zivilbediensteten des Btl als Dank für einsatzfreudige, erfolgreiche Arbeit beschloss den Tag.

Im Mai/ Juni befand sich das Bataillon erneut auf dem Truppenübungsplatz MUNSTERSÜD. Wegen der befohlenen Einschränkungen (s. o.) gab es weniger Artillerieschießen, dafür mehr Schießen mit Handwaffen, PzAbwehrausbildung und ABC-Abwehr- Übungen. Im Rahmen der Pionierausbildung aller Truppen wurden die Haubitzen einer Batterie in einem Feuerstellungsraum „eingegraben". Die wenigen Artillerieschießen verliefen geordnet präzise und fanden lobende Worte des Regimentskommandeurs, Oberst Schwantes, bei der Abschlussbesprechung.

Am 17. Juni nahmen die Rekruten des Bataillons am alljährlich stattfindenden Feierlichen Gelöbnis der Division im Reiterstadion NEUMÜNSTER teil.

Anlässlich des Feierlichen Gelöbnisses der Ausbildungskompanie 7/6 im Herbst verabschiedete der Bataillonskommandeur den Kompaniefeldwebel, Hauptfeldwebel Buck, sowie den langjährigen Kasernenfeldwebel, Oberfeldwebel Biedenbender, in den Ruhestand. Sie wurden anschließend unter Geleit aller Unteroffiziere zum Kasernentor gebracht. Nachfolger des KpFw 7 /6 wurde der bisherige BttrFw der 2. Batterie - HFw Steffen. Neuer BttrFw 2. Batterie wurde OFw Gantzkow, bisher S3- Feldwebel des Bataillons, dem wiederum Fw Dobert, bisher Feuerleitfeldwebel des Bataillons, nachfolgte. Am 29.11.67 wurde der BtlKdr, Major Borchardt, zum Oberstleutnant befördert.

Zum 01. Januar dieses Jahres war die Verlegung der Ausbildungskompanie 7 /6 nach ALBERSDORF und die Beendigung ihrer Unterstellung unter unser Bataillon befohlen worden. Für das Bataillon bedeutete dies eine spürbare Entlastung, für die mit ihren Familien im Standort NEUMÜNSTER/BOOSTEDT wohnenden Ausbilder ergaben sich damit aber wieder einmal die bekannten Trennungs- und Umzugsprobleme. Die Verlegung wurde planmäßig durchgeführt. Während des Sommers befand sich OTL Lund von der dänischen Artillerie einige Wochen als Gast im Bataillon.

Das Bataillon wurde in diesem Jahr 10 Jahre alt. Aus diesem Anlass wurde in der Rantzau-Kaserne ein Tag der offenen Tür durchgeführt. Der Tag begann mit einem Bataillonsappell, zu dem Oberstleutnant Borchardt den Bürgermeister der Gemeinde BOOSTEDT, Herrn Rathge, sowie den früheren Kommandeur, Oberstleutnant Hunger, begrüßen konnte. Vor Freunden des Bataillons und vielen Eltern wurden im Laufe des Tages Ausschnitte aus der Ausbildung des Bataillons im Innen- und Außendienst gezeigt. Eine Waffen- und Geräte- Schau, die Besichtigung der Unterkünfte und die obligatorische Erbsensuppe waren weitere wesentliche Höhepunkte dieses Tages, der allgemein positiven Anklang fand. Zum 01.10. wurde der BttrChef I. Batterie, Hptm Altekrüger, zum Verwendungslehrgang Generalstabsdienst an die FüAkBw versetzt. Sein Nachfolger wurde Hptm Perkhoff. Ebenfalls zum 01.10. wurde der S4, Hptm Paulsen, versetzt, sein Nachfolger wurde Hptm Winkler, bisher Batteriechef der 2. Batterie. Als neuer Bttr-Chef wurde Oberleutnant Brennecke vom F FArtBtl 61 zu versetzt.

Mit einem sehr kalten Truppenübungsplatzaufenthalt im Februar lag einer der Ausbildungsschwerpunkte im Jahre 1969 gleich zu Beginn des Jahres. Das Bataillon war gerade nach BOOSTEDT zurückgekehrt, da wurde es von einem erneuten Wintereinbruch überrascht. Es gab starke Schneeverwehungen und Straßensperrungen im ganzen Lande, vor allem in OST-HOLSTEIN, sodass Teile der Brigade zu Hilfeleistungen eingesetzt wurden. Auch Teile des Bataillons, vor allem Bergegeräte, wurden eingesetzt. Im Standort BOOSTEDT hielt sich der Einsatz in Grenzen. Ein besonderer Einsatz ist in Erinnerung geblieben: Eine junge Frau musste aus ihrem tief verschneiten Haus geholt und mit einem M 113 zur Entbindung in das Krankenhaus NEUMÜNSTER gefahren werden.

In neuer Form wurde in diesem Jahr das Feierliche Gelöbnis durchgeführt. Am 21. Mai fand eine Gefechtsübung der Brigade vor geladenen Gästen auf dem Standortübungsplatz statt. Im Anschluss daran fuhren die Gefechtsfahrzeuge, auf denen die zur Vereidigung und zum Feierlichen Gelöbnis befohlenen Soldaten aufgesessen waren, vor den Gästen auf und legten ihr Gelöbnis/ ihren Eid ab. Ein Vorbeimarsch aller Gefechtsfahrzeuge am Divisionskommandeur beendete die Feierlichkeit, für deren Durchführung das PzArtBtl 185 verantwortlich war. Im Sommer lud das Bataillon zu einem Leichtathletik- Sportfest die damalige „Patenschule", das Immanuel- Kant Gymnasium, ein. Es gab spannende Wettkämpfe. Schwerpunkt des Truppenübungsplatzaufenthaltes im Herbst war das Regimentsschießen vor Journalisten aus dem Divisionsbereich. Dem Bataillon wurde hierzu die 3./ PzArtBtl 177 aus HAMBURG-RAHLSTEDT unterstellt. Batteriechef dieser Batterie war Hauptmann Renner, der später in unserem Bataillon Batteriechef der 1. Batterie wurde. In diesem Jahr wurde in der Rantzau-Kaserne die Panzerpionierkompanie 180 aufgestellt und dem Bataillon wirtschaftlich unterstellt.

Zu erwähnen ist noch, dass das neue Offizierheim der Rantzau-Kaserne in diesem Jahr Richtfest hatte.

 

Die 1970er Jahre

Der erste Schwerpunkt lag in diesem Jahr, wie schon so oft, in der Durchführung der Schießvorhaben auf dem Truppenübungsplatz MUNSTER-SÜD. Höhepunkt war dabei die Teilnahme an einem Artillerieschießen unter Leitung des Korpsartilleriekommandos mit dem Korpsartilleriekommandeur - Brigadegeneral Vogelsang. Das Schießen fand auf den beiden Plätzen BERGEN-HOHNE und MUNSTER-SÜD statt. In der Abschlussbesprechung wurde die 3. Batterie vom Kommandierenden General - Generalleutnant von Uechtritz - wegen eines hervorragenden schnellen Stellungswechsels besonders gelobt. Zum 01. April gab es eine erhebliche Veränderung im Bataillon - die 4. Batterie wurde aufgestellt. Die Masse des hierfür erforderlichen Führungspersonals kam aus der vor 2 Jahren nach Albersdorf verlegten Ausbildungskompanie 7 /6, die nun aufgelöst wurde. Als Batteriechef wurde OLT von Seeheck zu versetzt. Während Handfeuerwaffen aus der aufgelösten AusbKp 7 /6 zugeführt wurden, musste das Großgerät zunächst aus dem Bataillon gestellt werden. 2. und 3. Batterie stellten je 2 K- gestellte Geschütze sowie Beobachtungspanzer und M113, die 1. Batterie den größten Teil der Radfahrzeuge. Die Batterie begann sofort mit der allgemeinen Grundausbildung.

Im Frühsommer gab es dann ein ganz besonderes Ereignis: Als erstes deutsches Artilleriebataillon verlegte das Bataillon zu einem Artillerieschießen auf den Truppenübungsplatz BORIS in Dänemark. Dies war der Beginn einer Vielzahl derartiger Übungsplatzaufenthalte in den Folgejahren und die Begründung eines guten kameradschaftlichen Verhältnisses zu den dänischen Artilleristen, das bis in die Gegenwart andauert. Das Bataillon bewährte sich in Schießen unter Leitung des dänischen ArtRgt' s. Die Unterbringung erfolgte in festen Unterkünften, die Fürsorge durch die Dänen war bemerkenswert. Kameradschaftliche Zusammenkünfte am Lagerfeuer nach den Schießen trugen wesentlich zum allseits anerkannten Erfolg dieses gemeinsamen Ausbildungsvorhabens bei. Ein weiterer Höhepunkt der Ausbildung war in diesem Jahr die erstmalige Verlegung des Bataillons im Frühherbst im Eisenbahntransport auf den Truppenübungsplatz GRAFENWÖHR in der Oberpfalz. Zum ersten Mal konnte hier in einem Schießgelände mit Mittelgebirgscharakter geschossen werden. Die Unterbringung erfolgte in Steinbaracken.

An den jährlich wiederkehrenden Blutspendeterminen beteiligten sich auch stets viele Bataillonsangehörige, mehrere davon zum wiederholten Male. Im Januar gab der Oberbürgermeister der Stadt NEUMÜNSTER zu Ehren der Spender einen Empfang im Rathaus. Zum 01. April stand ein Chefwechsel in der 2. Batterie an. Hptm Brennecke wurde versetzt, für ihn kam OLT Holsträter. Im April wurde das neue Offizierheim an OTL Borchardt in seiner Eigenschaft als Kasernenkommandant übergeben.

Im Sommer liefen im Wesentlichen die Vorbereitungen für die NATO-Übung „BRICK STONE". Diese Übung sollte zugleich die letzte für den Bataillonskommandeur, OTL Borchardt, sein, dessen Versetzung sich zum Herbst dieses Jahres abzeichnete. Die Übung begann am 02.09. am Elbe-Trave-Kanal und das Bataillon kämpfte auf deutscher Seite (BLAU) bis zum Nord-Ostsee-Kanal. Hier wurde neutralisiert und der Übergang über den Kanal fand bei FISCHERHÜTTE als Lehrvorführung statt. Anschließend wurde das Bataillon dann auf dänischer Seite (ROT) eingesetzt. Das Bataillon hat sich während der gesamten Übung bravourös geschlagen. Am 29.09.71 übergab der Kommandeur der PzBrig 18, Oberst Fielitz, das Kommando über den Artillerieverband von Oberstleutnant Achim Borchardt an Oberstleutnant Rolf Eberle. Damit ging die Führung des Bataillons erstmalig von einem kriegsgedienten Offizier in die Hände eines nicht kriegsgedienten Kommandeurs über. Unter dem neuen BtlKdr, OTL Eberle bereitete sich das Bataillon wie gewohnt anschließend auf den Truppenübungsplatzaufenthalt MUNSTER-SÜD Ende Oktober/ Anfang November vor. Dort bestätigte der Verband sein überdurchschnittliches Leistungsvermögen im „scharfen Schuss“! Das IV. Quartal lief wie gewohnt aus: Reichlich technischer Dienst/ Barabarafeier/ Weihnachtsfeiern (Dabei blieb es auch in den Folgejahren!). Allerdings waren bereits die erheblichen Belastungen für Führung und Ausbildung im Jahre 1972 erkennbar.

Das Jahr 1972 mit seinen „Turbulenzen"! Die Probleme kumulierten: Die Durchführung des „Haar- und Barterlasses" (Neuer Erlass im Mai 1972: Ohne Haarnetze, Hemdkragen wird „Messlatte".) beschäftigte die Führung weiterhin als Dauerproblem neben den ständigen Wochenend- Urlaubsüberschreitungen (bei einem Personalanteil von 60 % Rheinländern).

Zum 01.04.72 gliederte das Btl nach einer neuen STAN um und stellte zusätzlich den Artilleriespezialzug 6 (ArtSpezZg 6) auf, der zum AR 6 gehörte, aber dem PzArtBtl 185 unterstellt wurde. Das Bataillon erhielt damit den Auftrag, die atomare Einsatzfähigkeit zunächst für die 4./ 185 und später für alle BrigArtVerb der Division sicherzustellen. Diese „Neuerung“ bedeutete eine erhebliche Zusatzbelastung auf Dauer für das Bataillon und die 4. Batterie im Besonderen. Zahlreiche Leistungsprüfungen (Tests) führten von nun an zu erheblichen Mehrbelastungen für die „Untere Führung"! Im Hinblick auf die Umstellung des Grundwehrdienstes von 18 auf 15 Monate ab 01.01.1973 wurden ab Mitte 1972 die Personalumfänge neu festgelegt. Aufnahme und Unterbringung zusätzlicher Rekruten in erheblichem Umfange gestalteten sich schwierig - und wurden kritisch von der Presse begleitet! Die politische Zielsetzung „mehr Wehrgerechtigkeit bei Erhaltung der Einsatzbereitschaft" und das hierbei verfolgte Konzept fanden „intern" überwiegend nur „Akzeptanz aus Loyalität"! Diese Verkürzung des Wehrdienstes stellte mit Ausbildungsplanung/ -durchführung und sog. „Verwürfelungen“ des Personals in den Teileinheiten das vorrangigste Problem der Jahre 72 und 73 dar – und blieb es auch in den Folgejahren besonders auf dem Gebiet der Inneren Ordnung! Damit einherging die Neuordnung der Unteroffizieraus- und -weiterbildung sowie die Umstellung der Führerausbildung. Alles zusammen eine erhebliche Belastung des Führerkorps!

Im Rahmen der Brigade 18 nahm der Verband an der deutsch- dänischen Gefechtsübung „BRIEF RALLY“ in BERGEN-HOHNE teil und verabschiedete im Anschluss daran den dänischen Befehlshaber COMLANDJÜT, GenMaj Skriver-Jensen, mit eindrucksvoller Parade auf der Ringstraße des Übungsplatzes. (Wechsel im Kdo GenMaj Skriver-Jensen / GenLt Hildebrandt; Parade initiiert durch GenMaj Schulze - Kdr 6. PzGrenDiv -; nur Ketten beteiligt, Parade war 'ne Wucht!!)

Zum Jahresabschluss konnte festgestellt werden, dass das Btl die „Turbulenzen 72" besser überstanden hatte als erwartet! Die Gründe hierfür lagen wesentlich in der Qualität des Unteroffizierkorps in diesem Verband. Die mangelnde Führerdichte im Außendienst war auch bei „185'' festzustellen, das „Feldwebelkorps" war jedoch außerordentlich leistungsstark und bildete zuverlässig das „Rückgrat" im Ausbildungsdienst. Die in den späteren Jahren (ab 1982) geprägte Zuordnung „Feldwebel = Meister ihres Fachs" traf auf die Feldwebel des PzArtBtl 185 bereits im Jahre 1972 uneingeschränkt zu!

„1973" Konsolidierung der Turbulenzen? Die Neuordnung der Truppenausbildung, die aus der Verkürzung des Wehrdienstes auf 15 Monate resultierte, hatte zum Ziel, den Wegfall eines Quartals Grundwehrdienst durch Rationalisierung (zusätzlich zur eingeführten Verfügungsbereitschaft) wettzumachen (politische Forderung= NATO- Verpflichtung). Alle Rekruten wurden in besonderen Grundausbildungseinheiten für 3 Monate, in Ausnahme für 6 Wochen bei Zusatzausbildung in anderer Einheit, zusammengefasst, grund- und überwiegend spezialausgebildet, besichtigt und geprüft und dann zu ihren Stammeinheiten versetzt.

In unser Btl kamen die „Neuen" aus bis zu 20 (!) verschiedenen Ausbildungseinheiten/ - teileinheiten im ganzen Korpsbereich (aus dem sogenannten Grundausbildungsverbund). So erhielten, neben der Stabs- und Versorgungsbatterie (wie bisher auch schon), auch die schießenden Einheiten in jedem Quartal 25% grundausgebildeten Personalersatz für das jeweils ausscheidende Viertel des Mannschaftsbestandes. Diese „Verwürfelung" wirkte sich negativ aus auf das innere Gefüge (Kameraderie einerseits und Unterdrückung der Neuen - Bezeichnung als „Rotärsche" - anderseits) insgesamt und auf den Gefechtswert der Teileinheiten im Besonderen. Der Leistungsdruck auf Unteroffiziere und Offiziere war enorm hoch. Als Organisationsmittel für die Ausbildung wurde der GAP (Gesamtausbildungsplan) eingeführt. Zusätzlich wurde das innere Gefüge belastet durch die hohe Zahl an Verkehrsunfällen, die von den Wochenendheimfahrern, vornehmlich Rheinländern, verursacht wurden. Diese Unfallhäufigkeit machte betroffen; es gelang nicht, sie durch dienstliche Maßnahmen wesentlich zu reduzieren.

Die in diesem Jahr eingeführten Energiesparmaßnahmen der Bundesregierung führten zu Einschränkungen in der Betriebsstoffzuteilung, dies wurde jedoch ohne nennenswerte Einbußen in der Ausbildung verkraftet. Dagegen wirkten sich die zunehmenden Ausfälle bei dem Hauptwaffensystem M 109 einschränkend auf die Ausbildung und gravierend auf den Einsatzwert des Verbandes aus. Das in anderen Bataillonen schon länger vorhandene Problem erreichte unser Btl zwar spät, aber dafür fast schlagartig. Mitte des Jahres waren nur noch acht Haubitzen "selbst bewegungsfähig"! Die Beschaffung von Lüftern - oder Ersatzteilen dafür - stellte sich als zeit- und energieaufwendiges, vor allem nutzloses Unterfangen der Btl-Führung dar. Letztendlich wurde das Problem truppennah aber gegen alle Vorschriften gelöst durch „zornige" Anforderungen (mit 06-Vorrang) ganzer Waffensysteme, also Haubitzen, die nur im Kriegsfalle als Ersatz für Ausfälle angefordert werden durften. Und zum Erstaunen aller Beteiligten klappte es - und niemand wurde gemaßregelt oder gar abgelöst für dieses „Millionending"! Mit diesen Haubitzen war der Verband der „stärkste" mit 21 Rohren (vorübergehend) – auch wenn nur 8 „self-propelled" im Herbst in MUNSTER-SÜD dabei waren.

Zum 01.10. wurde der bisherige Stellvertreter - Oberstleutnant Zimmerningkat - als Kommandeur nach Niedersachsen versetzt. Für ihn kam Major Alte von der Artillerieschule. Sein erster Übungsplatzaufenthalt mit dem Btl im Herbst in MUNSTER-SÜD hatte es dann besonders in sich; das Btl erlebte im Zeltbiwak den „Jahrhundertorkan" in Norddeutschland (der sich dann in den Folgejahren fast regelmäßig wiederholte!).

In der Sturmnacht suchten zahlreiche Teileinheiten und Einzelpersonen (auch Kdr + Stv) Schutz in festen Fahrzeugen (gepanzerte wurden bevorzugt!), nachdem ihre Zelte davongeflogen oder durch umstürzende Bäume/ niedergeschlagene Baumkronen begraben worden waren. Gottseidank gab es keine Personenschäden. Trotz Chaos bei Nacht gute Schießergebnisse bei Tage! Bei der Rückverlegung in den Standort am 16.11. 73 traf es den Verband dann besonders. Die Kettenteile mit ca. 200 Soldaten traten nachts den Eisenbahntransport an, „parallel" marschierten die Räderteile mit den übrigen Angehörigen des Btl im Straßenmarsch gen BOOSTEDT. Das für die Nacht im Rundfunk angekündigte Glatteis führte zu extremer Straßenglätte auf der B 404. Manche Fahrzeuge rutschten trotz der geringen Marschgeschwindigkeit auf die Bankette, andere mussten mit Muskelkraft auf der Fahrbahn wieder zurechtgerückt werden. Marschgeschwindigkeit, Abstände, ja, die gesamte Marschdisziplin war „im Eimer“! (Diese „Marschmängel“ mussten in der Folgewoche auf Befehl der Division eingehend untersucht werden, schriftliche Stellungnahmen mussten durch die beteiligten Verbände abgegeben werden!) Wir waren jedenfalls froh, als wir in der Kaserne waren - ohne Unfall und mit ca. 2 Stunden Verspätung!

Um 06.00 Uhr (am 17. November) riss die telefonische Meldung des Eisenbahntransportführers Hauptmann Hesse, dass der Zug verunglückt war, das „Führerkorps des Bataillons" vorzeitig und sehr abrupt auf die Beine. Es habe sehr viele Verletzte gegeben, unklar ob auch Tote, mehrere Waggons seien umgestürzt, Materialschäden nicht zu übersehen, Unglücksort: Eisenbahnknotenpunkt STELLE bei Hamburg-Harburg. Gegen Mittag ergab sich folgendes Bild: Keine Toten (in den Nachrichten wurden mehrfach „mindestens drei Tote" gemeldet), keine Schwerverletzten, ca. 20 Verletzte - überwiegend leicht - auf sechs Krankenhäuser verteilt, viele standen unter Schock, die Waggons mit den Kettenteilen waren auf den Gleisen geblieben, keine Materialschäden trotz starken „Abhebens" (ca. 30 cm gern. Augenzeugen) der „Ketten" von den Ladeflächen. Die Verzurrung hatte gehalten! Hierfür erhielt das Verzurrungspersonal unter Führung des T-Offz besondere Anerkennung. Ausgenommen der Verletzten, die in umliegenden Krankenhäusern aufgenommen waren, war die Masse des Personals in einer Schule untergebracht und wurde hervorragend durch die Einwohner von STELLE versorgt.

Aufnahme und unterstützende Maßnahmen vor Ort durch das Bahnpersonal und besonders durch die Zivilbevölkerung waren vorzüglich! Dagegen wirkten sich die Nachrichtenmeldungen über das „Zugunglück mit mehreren Toten und zahlreichen Schwerverletzten chaotisch aus! Im Standort war das Führungspersonal überwiegend damit beschäftigt, Anrufe von Angehörigen und Anfragen von vorgesetzten Dienststellen zu beantworten und das geforderte „Berichtswesen" in den Griff zu bekommen!

Gute Unterstützung erhielt das Btl durch die Brigade 17, die kurzfristig sanitätsdienstliche und Transportunterstützung sicherstellte und Personal anbot, um Aufgaben in STELLE zu übernehmen. Die durch das Unglück unmittelbar betroffenen Soldaten weigerten sich gegen die Weiterfahrt mit der Bahn und mussten mit Bussen zum Standort gebracht werden! „Jubelnder Empfang der „Rückkehrer" durch Angehörige in Boostedt!"

Am gleichen Wochenende verlor das Btl jedoch den Fähnrich Langfeldt durch tödlichen Unfall auf eisglatter Straße (Samstagnacht) mit seinem Privat-Pkw - die Umstände waren tragisch! Es dauerte Wochen bis alles wieder „auf der Reihe" war im Bataillon - die Materialüberprüfung am Großgerät dauerte über den Jahreswechsel hinaus. Ende des Jahres musste der Stellvertreter vorübergehend (ca. 4 Monate) die Führung des Bataillons übernehmen, der Kdr wurde auf eine neue Verwendung in den USA vorbereitet.

Ein ereignisreiches Jahr 1973 lag hinter dem Bataillon und trotz aller Belastungen und Widrigkeiten hat sich das Bataillon nach Ansicht seines Kommandeurs auch in diesem Jahr wieder „verdammt gut gehalten"!

Das Jahr 1974 brachte zwei wesentliche Neuerungen, die sich entscheidend auf die weitere Entwicklung des Bataillons auswirken sollten. Dieses waren - der Einstieg des Artilleriespezialzuges 6 und damit auch der 4. Batterie - und nicht zuletzt des Bataillons - in das atomare Testprogramm - die Umgliederung der 2. Batterie zur EI A-Einheit (Einsatz-/ Ausbildungs- Einheit) ab 01.07.1974

Das 1. Quartal stand vor allem im Zeichen der Testvorbereitungen. Offizier- und Unteroffizierweiterbildung, Planübungen und Einsatzübungen dienten diesem Ziel genauso wie „Vor-Tests" und die Durchführung von Funkschreibübungen im Regimentsrahmen.

Die erste ernsthafte Prüfung stellte der TPI (Technical Proficiency Inspection) Mitte Februar dar. Dieser Test zeigte noch bestehende Lücken in der Vorbereitung, die jedoch bis zum ersten NSI (Nuclear- Security- Inspection) im intensiven nationalen und im „Joint Training" mit den Amerikanern vom US-Detachment in Kellinghusen geschlossen werden konnten. Am 18. März bestanden die aus 4. Batterie und Artilleriespezialzug gemeinsam gebildeten Teams den ersten NSI - die 4./PzArtBtl 185 wurde damit in der NATO-Auflistung in die Reihe der Einheiten eingefügt, die ihre Qualifikation für den atomaren Einsatz nachgewiesen hatten. Die Batterie war „bivalent"! Der Nachweis der Bivalenz war nun jährlich durch Teilnahme an weiteren NSI zu führen. Darüber hinaus waren von nun an jährlich zusätzliche Tests in Gefechtsübungen zum Nachweis des Ausbildungsstandes in der atomaren Einsatzbereitschaft durchzuführen (ATT=Annual Training Test). Die vielen, hier neu gebrauchten und auch später immer wiederkehrenden technischen amerikanischen Bezeichnungen und Abkürzungen geben dem „unbedarften" Leser vielleicht einen kleinen Einblick in die Notwendigkeit neuen Denkens und Organisierens mit der sich das Bataillon nunmehr und von jetzt an fortwährend konfrontiert sah.

Dass daneben die normale Ausbildung nicht zu kurz kam, ist selbstverständlich. Neben der normalen Ausbildung liefen Juniorenprogramm, Uffz-Standardprogramm, Erfolgskontrollen in allen möglichen von oben befohlenen Formen sowie die Vorbereitung auf künftige Übungen in gewohnter Weise.

Seit Ende des Vorjahres zeichnete sich für den April erneut ein Kommandeurwechsel ab. Anfang des Jahres stand fest, dass Oberstleutnant Eberle das Bataillon Ende April verlassen würde, um als S 1 zum „Deutschen Bevollmächtigen in den USA" nach Washington zu gehen. Zur Vorbereitung auf diese Tätigkeit wurde er im 1. Quartal zu einem Sprachenlehrgang kommandiert, wodurch er dieses Quartal vom Bataillon abwesend war. Major Alte, ja auch noch verhältnismäßig neu im Amte, musste in diesem Quartal also besonders harte Arbeit leisten.

Am Montag, dem 22. April traf der Nachfolger, Oberstleutnant Welsch, ein, der bis dahin stellvertretender Bataillonskommandeur beim Feldartilleriebataillon 110 in Dülmen/Westfalen gewesen war. Für die Übergabemodalitäten stand nur wenig Zeit zur Verfügung. Am Donnerstag, den 25. April 1974, fand die Bataillonsübergabe vor dem angetretenen Bataillon auf dem Ausbildungsplatz neben der Sporthalle statt. Bei kaltem, sonnigen Wetter übergab der bereits von seiner schweren Krankheit gezeichnete Brigadekommandeur –Brigadegeneral Fielitz- das Bataillon.

Am 05. Mai verlud das Bataillon mit 3. und 4. Batterie die Kettenteile und marschierte mit den Räderteilen im Landmarsch nach Dänemark. In Hadersleben gab es eine „Vorübung" am 06.05 abends in Form eines feuchtfröhlichen Beisammenseins der Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Den hierfür erforderlichen Alkohol hatte das Bataillon zollfrei mitführen können. Die eigentliche Übung begann am Tag danach, sie endete nach 4 Tagen mit einem Tag- und Nachtscharfschießen, zusammen mit mehreren dänischen und einem englischen Artilleriebataillon auf dem Schießplatz „OKSBOEL" nordwestlich von Esbjerg. Unmittelbar nach dem Schießen wurde das gesamte Bataillon verladen und verlegte im Eisenbahntransport nach Munster. Dass dabei eine Menge zollfreien Alkohols wieder nach Deutschland zurückgeschmuggelt wurde, ist der „in diesen Dingen noch unerfahrenen Bataillonsführung“ erst sehr viel später klar geworden.

Der nächste Schwerpunkt im Standort war schon gesetzt: der Brigadeball am 08. Juni. Dieser betraf das Bataillon - auch in späteren Jahren - stets besonders, da das gesamte Wirtschaftsgebäude benötigt wurde. Der Aufwand an Material und Personal war stets erheblich.

Der Juni diente im Wesentlichen der Umorganisation und Vorbereitung der 2. Batterie zur E/ A-Einheit. Am 01.07. rückten die Rekruten ein. Fortan bildete die Batterie Rekruten für das Bataillon sowie für andere Artilleriebataillone der Division in folgenden Ausbildungsgebieten aus: - Geschützdienst, - Feuerleitdienst, - Richtkreis und Vermessungsdienst - Fernsprechdienst, Funk -und Richtverbindungsdienst

Das Ende der „Sommerpause" bildete der offizielle Bataillonsball, der am 31.08. im Offizierheim stattfand. Bei hochsommerlichen Temperaturen erlebten ca. 150 Personen einen zwar kleinen aber ansprechenden Ball.

An der NATO-Übung „BOLD GUARD" im September nahm das Bataillon“nur" im Leitungs- und Schiedsrichterdienst teil, trotzdem war damit die Masse des Führungspersonals eingesetzt, die Ausbildung im Standort somit erheblich eingeschränkt.

Die letzte Septemberwoche stand ganz im Zeichen der Vorbereitungen auf den „Tag der offenen Tür" der Panzerbrigade 18. Dieser fand am Samstag den 28.09. in der Rantzau-Kaserne statt. Mehr als 15000 Besucher wohnten dieser Veranstaltung bei. Zum Abschluss dieses Tages übergab der Divisionskommandeur - Generalmajor Pöppel - die Panzerbrigade 18 von Brigadegeneral Fielitz an Oberst Hentschel. In bewunderungswürdiger Haltung überstand General Fielitz diese anstrengende Prozedur bei teilweise strömendem Regen auf dem Standortübungsplatz. Jeder Eingeweihte wusste, wie krank er war - jeder bewunderte seine Haltung, in der er versuchte, sich seinen Zustand nicht anmerken zu lassen. General Fielitz wurde stellvertretender Kommandeur unserer 6. Division. Sein Nachfolger - Oberst Hentschel - war vorher stellvertretender Brigadekommandeur in Nienburg/Weser.

Ende September rüstete die 3. Batterie zum Abflug nach Kanada. Am 03.10. bestieg die Masse der Batterie unter Führung von Hptm Kohbrok als 3. schießende Batterie im Verband des PzArtBtl 165 eine Bw-Maschine und flog zum Scharfschießen bis zum 26.10. nach SHILO in Kanada. Dieses war der erste Teil der Panzerartilleriebataillone der 6.Panzergrenadierdivision, die in den Jahren 1974, 75 und 76 in Shilo üben sollten. Leider sollte es zum Aufenthalt 1976 nicht mehr kommen, doch davon später.

Eine besondere Sache war die Überreichung eines neuen Bataillonswappens an den Kommandeur im Rahmen der Barabarafeier. In mehrwöchiger Arbeit war mittels Bataillonswettbewerbs Auswahlkommission ein neues Bataillonswappen entstanden, das mit der Überreichung durch die Barbara offiziell wurde. Bis dahin hatten inoffizielle Wappenformen bestanden, die mehr oder weniger abgewandelte Brigadewappen darstellten. Am Ende der Veranstaltung war man sich einig, dass die Barbarafeier eine „feine Sache" war, nachdem diese Art der Traditionspflege im Bataillon aus mannigfachen Gründen seit Jahren nicht mehr stattgefunden hatte.

Die verbleibenden 14 Tage vor Weihnachten sollten noch sehr hektisch werden. Jeder weiß, dass die Zeit vor Weihnachten ausgefüllt ist mit Ausbildungsplanung für das nächste Jahr, Entlassungen zum Jahresende, Weihnachtsfeiern/Jahresabschlussfeiern der Batterien u. a. m. In diesem Jahr lag zusätzlich noch die Rekrutenbesichtigung in der 2. Batterie an. Weit aufwendiger jedoch war der für die 4. Batterie den Artilleriespezialzug 6 noch in diesem Jahr fällige erste ATT- der ITT (Initial Training Test). Dieser bestand aus einem Test der Einsatzfähigkeit im Rahmen einer Übung mit Punktwertung auf verschiedenen artilleristischen Gebieten. Am 18. Dezember rückte die für diese Tests im gesamten Korpsbereich zuständige Prüfgruppe des ArtKdo 1 aus Münster/Westfalen mit insgesamt 6 Prüfern an. Im Rahmen der vom Bataillon angelegten Übung wurde der Test bis zum Abend des 19.12. durchgeführt. Erneut wurde die 4. Batterie von Lt Köhler geführt, da der Batteriechef nach wie vor krank war. Niemand im Bataillon - außer dem Kommandeur - hatte schon vorher irgendwelche Erfahrungen in der Durchführung derartiger atomarer Einsatztests. So kam es teilweise zu Friktionen aufgrund mangelnden Verständnisses, jedoch auch aufgrund von Aufgeregtheit einzelner Teileinheitsführer. Nach teilweisen Wiederholungen von Einzeltests, Klärungen auf der Ebene Kdr - Prüfgruppenleiter, Heranschaffung von Ersatzgeräten u. a. m. wurde dieser Test bestanden. Damit war die 4. Batterie endgültig befähigt, ihren bivalenten Auftrag wahrzunehmen. Erst jetzt konnte der Großteil des Bataillons an das bevorstehende Weihnachtsfest denken. Ein umfangreiches Ausbildungsjahr war bewältigt, es war aufgrund der Befehle für das Jahr 75 abzusehen, dass das kommende Jahr ein gleiches Maß an Leistungen von jedem einzelnen verlangen würde.

Das neue Jahr begann wieder mit 100 Rekruten. Ebenso stand die zweijährliche Überprüfung des Bataillons nach § 78 BHO ab Mitte Januar an. Am 21. Februar übergab Major Renner an Hauptmann Marten. Major Renner wurde als stellvertretender Kommandeur zum F FArtBtl 61 nach Albersdorf versetzt. Hptm Marten war bisher Chef einer M 109- Batterie in Wetzlar. Für die 4. Batterie und den Artilleriespezialzug stand anschließend erneut der NSI vor der Tür. Dieser wurde am 25.03. ohne Beanstandungen absolviert, es zeigte sich nunmehr bereits eine größere Sicherheit im Beherrschen der „Regulations". Am 21. März schied Hauptfeldwebel Merz, der langjährige Truppenversorgungsbearbeiter aus Altersgründen aus der Bundeswehr aus. Vor angetretenem Bataillon würdigte der Bataillonskommandeur Leistung und Verdienste des bewährten Portepeeunteroffiziers.

Für die HOLSTEN - SCHAU, eine rein kommerzielle Ausstellung musste das Bataillon für den Zeitraum 04. -13.04. eine Haubitze, einen Feuerleit - MTW, einen VB - Trupp und mehrere Soldaten und Unteroffiziere unter Leitung eines Leutnants abstellen - eine zwar geringfügige, aber den Dienstbetrieb dennoch beeinträchtigende Maßnahme. Im Mai stand für die 4. Batterie der. SHILO-Aufenthalt bevor. Vom 09. - 31.05. befand sich die Batterie unter Führung des PzArtBtl 177 auf dem Übungsplatz in Kanada und absolvierte dort ein gleiches Programm wie im Jahr zuvor die 3. Batterie.

Hatte das Bataillon 1974 noch an der NATO-Übung „BEAT-BLOW" in Dänemark teilgenommen, so verlegte es in diesem Jahr erneut mit Teilen nach Dänemark, um an der Stabsrahmenübung „BOARD GREEN" teilzunehmen. Vom 01. -08.06. fand diese Übung unter dänischer, deutscher und englischer Beteiligung statt. Vor der Sommerpause erforderte der Brigadeball am 14. Juni erneut erheblichen Einsatz von Teilen des Bataillons für Vorbereitung und Durchführung.

Ein unliebsames Ereignis gab es im Juli. Am 15. Juli erkrankten etwa 90 Soldaten des Bataillons: Verdacht auf Salmonelleninfizierung. Bereits am nächsten Tag verbreitete die Presse die Nachricht und dienstliche und Pressenachfragen häuften sich. Der Kommandeur hatte die Küche sofort schließen lassen, Speiseproben wurden zur Untersuchung eingeschickt. In den Speisen wurde nichts gefunden, aufgrund eines späteren Untersuchungsergebnisses beim Personal kam man zu dem Ergebnis, dass sich ein Zivilkoch in Italien infiziert hatte. Nach einer knappen Woche war alles ausgestanden. Nebeneffekt war, dass endlich das Küchengebäude renoviert wurde.

Seit etwa einem Jahr waren von den Batterien aufgrund eines Divisionsbefehls Kontakte zu verschiedenen Gemeinden geknüpft worden, um Patenschaftsverhältnisse zu gründen. Bei der 1. Batterie bestand das Patenschaftsverhältnis ja schon seit 10 Jahren zur Kyffhäuserkameradschaft Emkendorf. Dieses Verhältnis hatte sich geradezu vorbildlich entwickelt, es wurde genährt durch vielfältige gemeinsame Veranstaltungen, von denen noch mehrfach gesprochen werden wird. Die schießenden Batterien bauten ihre Kontakte nun zu folgenden Gemeinden auf:

  1. Batterie zur Gemeinde Todesfelde 3. Batterie zur Gemeinde Sülfeld 4. Batterie zur Gemeinde Großenaspe

Dieses waren die Orte, die dem Bataillon durch die Division zugeteilt worden waren. Am 16. August erfolgte die offizielle Aufnahme des Patenschaftsverhältnisses zwischen der 3. Batterie und der Gemeinde Sülfeld. Nach vorangehender Batterieübung im Raum der Patengemeinde biwakierten die Soldaten in Sülfeld. Ein offizielles Programm mit Marsch durch den Ort, Gottesdienstbesuch, gemeinsamer Sitzung mit dem Gemeinderat und ein Tanzabend als Ausklang, bildeten den Rahmen. Im Beisein des Bataillonskommandeurs tauschten der Bürgermeister der Gemeinde Sülfeld, Herr Seismann, der zugleich auch Kreispräsident des Kreises Segeberg war, und der Batteriechef der 3. Batterie - Hauptmann Kohbrok - die Patenschaftsurkunden aus. Die 3. Bttr führte sich in Sülfeld gleich gut ein. So konnte dem Verein „Lebenshilfe" der Erlös aus den Veranstaltungen zur Patenschaftsübernahme in Höhe von 1610,- DM durch den Batteriechef übergeben werden.

Im Zeitraum 15. - 21.09. führte die 1. Batterie in ihrer Patengemeinde Emkendorf ein Ausbildungsbiwak durch. In einem umfangreichen Programm wurden militärische Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit harmonisch miteinander verbunden. Am 19.09. wurde als Höhepunkt in einer Festveranstaltung das 10-jährige Bestehen der Patenschaft zwischen der 1. Batterie und der Kyffhäuserkameradschaft Emkendorf begangen. Am 17.09. führte das Bataillon erneut das feierliche Gelöbnis für alle Rekruten der Standorte Neumünster/ Boostedt und Bad Segeberg durch.

Eine weitere Patenschaftsgründung fand am 26.10. statt. Die 2. Batterie hatte die Vorarbeit für die Patenschaftsbegründung mit der Gemeinde Todesfelde geschaffen.

Im Oktober verstarb der ehemalige Brigadekommandeur und jetzige stellvertretende Divisionskommandeur - Brigadegeneral Fielitz. Bis zuletzt hatte er gegen die langjährige heimtückische Krankheit angekämpft und seinen Dienst vorbildlich verrichtet.

Am 04. Dezember fand erneut eine Barabarafeier in der Größenordnung des Vorjahres statt. Erneut war die Mehrzweckhalle der Austragungsort der Abendveranstaltung, der am Tage wieder Wettbewerbe des ganzen Bataillons vorangegangen waren. Barbara erschien am Abend, wieder dargestellt durch Major Alte, und wurde in diesem Jahr auf einer vom Btl 61 ausgeliehenen Feldhaubitze 105 mm hereingefahren.

Am Tage der Rekrutenbesichtigung der 2. Batterie ereignete sich jedoch am Abend noch ein außerdienstlicher Verkehrsunfall, an dem 4 Soldaten der 2. Batterie beteiligt waren. Beim Abbiegen von der Boostedter Straße in die Dorfstraße wurde der Pkw eines Soldaten der 2. Batterie von einem entgegenkommenden Fahrzeug erfasst. Dabei starb der PzKan Lucks auf der Stelle, der Fahrer und 2 weitere Soldaten kamen mit Verletzungen davon. Am nächsten Morgen fuhren Oberstleutnant Welsch und Militärpfarrer Kreil nach Raisdorf bei Kiel, um den Eltern die Todesnachricht zu überbringen. In Vertretung des auf einem Lehrgang weilenden Chefs der 2. Batterie fuhr Leutnant Tiemeyer mit. Die Beerdigung fand im kleinen Rahmen am 23. Dezember in Raisdorf statt, eine Abordnung der 2. Batterie nahm teil. Den Betrag einer Spontansammlung im Bataillon - weit über 1000,- DM - konnte der Kommandeur bei dieser Gelegenheit den Eltern überreichen.

Das Jahr 1976 begann stürmisch im wahrsten Sinne, die Nordseeküste wurde von einer starken Sturmflut bedroht. Am 02. Januar wurde Katastrophenalarm gegeben und über Rundfunk- und Fernsehaufruf alle sich in Schleswig-Holstein und in Hamburg im Urlaub befindlichen Soldaten aufgefordert, sich bei ihren Verbänden zurückzumelden. Es war erfreulich zu sehen, wie schnell die Urlauber - es war immerhin Neujahrsdienstbefreiung - zum Bataillon zurückkehrten. Anrufe von Soldaten aus Nordrhein-Westfalen, die sich erkundigten, waren keine Ausnahme. Gottseidank ließ der Sturm im Laufe der Nacht nach, der Alarm konnte abgebrochen werden.

Dem Bataillon war mit dem Jahresausbildungsbefehl die Durchführung einer Planübung für die Offizierweiterbildung der Brigade 18 am 11.03. mit dem Thema: „Kampftruppen fordern - Artillerie wirkt", befohlen worden. Die Vorbereitungen hierfür liefen sofort Anfang des Jahres an. Mehrere Wochenenden wurden als zusätzliche Offizierweiterbildung angesetzt, um sich in Arbeitsgruppen vorzubereiten. Die Durchführung am 11.03. fand die volle Anerkennung des Brigadekommandeurs.

Am 30.03. wurde der Batteriefeldwebel der 2. Batterie - Hauptfeldwebel Gantzkow - zur SDH nach Köln versetzt. Als sein Nachfolger wurde der bisherige Feuerleitfeldwebel der Batterie, Hauptfeldwebel Kleint, eingesetzt. Am 01.04. lief in Schleswig-Holstein der Truppenversuch für das Sanitätsmodell an. Dieses Modell hatte zum Ziel, die sanitätsdienstliche Betreuung zu zentralisieren, effektiver zu gestalten und in Friedenszeiten Personal einzusparen. Im Grunde genommen eine gute Idee, die, wenn sie von vornherein richtig durchorganisiert und finanziell abgesichert gewesen wäre, auch sicher in der Truppe angenommen worden wäre und zum Erfolg geführt hätte. So, wie der Versuch jedoch verlief, war er von vornherein ein Fiasko. Das Sanitätspersonal wurde der Truppe entzogen und zentralisiert, das Material blieb in der Truppe, Ärzte wurden je nach Bedarf herumgeschoben, für die Ausbildung stand nur begrenzt Sanitätspersonal zu Verfügung, es fehlte an klaren Befehlssträngen, kurzum: Es war von vornherein ein „tot geborenes Kind". Noch über Jahre wurde mit immer neuen „Klimmzügen" versucht, das Modell doch noch zu erhalten, bis es schließlich 1980 eingestellt wurde.

Ebenfalls stand in diesem Jahr noch die Prüfstufe C im April an. Hauptmann Kohbrok wurde nach 6-jähriger Tätigkeit als Batteriechef der 3. Batterie zum Artillerieregiment 11/ Oldenburg als Fm-Offizier versetzt. Für ihn kam Oberleutnant Dieckmann, bisher S2-0ffizier beim Panzerartilleriebataillon 177.

In der Zeit vom 09. - 19 .04 leistete das Bataillon befehlsgemäß erneut Abstellungen für die kommerzielle Holsten-Schau in Neumünster. Am 30.04. fand erneut der traditionsgemäß alle 2 Jahre durchgeführte Unteroffizierball als Tanz in den Mai statt. Vom 03.-05. Mai wurde die obligatorische Brigaderahmenübung „KÜHLE BRISE" durchgeführt.

Der Höhepunkt der Ausbildung im ersten Halbjahr war danach der Truppenübungsplatzaufenthalt MUNSTER vom 24.05. - 04.06., der den Himmelfahrtstag einschloss und am Pfingstsamstag endete. Neben den normalen Schieß- und Übungsvorhaben war diesmal eine Bataillonsbesichtigung eingeschlossen, die das Bataillon mit gutem Ergebnis bestand. Der 28. Mai war dem Besuch von Angehörigen und von Vertretern unserer Patengemeinden gewidmet, die „ihre" Batterie im scharfen Schuss sahen, dem Bataillonsschießen beiwohnten und am Abend ein gemütliches Beisammensein mit den Soldaten hatten. Das positive Echo, das dieser Tag bei unseren Gästen fand, ermutigte für weitere derartige Vorhaben in der Zukunft.

Freudige Überraschungen waren die Beförderungen von Major Alte zum Oberstleutnant, und von Leutnant Trumpp zum Oberleutnant, die während dieses Übungsplatzaufenthaltes erfolgten. Oberleutnant Dieckmann wurde dann am 01.07. im Standort zum Hauptmann befördert. Es folgten die Urlaubsmonate, aber im August gab es wieder einen Test für die 4. Batterie mit dem Artilleriespezialzug. Einer sich ab 04.08. aufbauenden Spannungszeit folgte der AAT/ATT am 15./16.08. Das gute Ergebnis sagte nichts aus über die vielen Schwierigkeiten, die zur Vorbereitung, vor allem im personellen Bereich zu überwinden waren. Die weiteren Ereignisse größerer Art waren dann das Sommerbiwak der Division am 28.08. und das Feierliche Gelöbnis aller Rekruten der Standorte Neumünster - Boostedt - Bad Segeberg, das durch unser Bataillon am 03.08. durchzuführen war.

Zum 1. Oktober tauschte der Kommandeur 2. und 3. Batterie in ihren Aufgaben gegeneinander aus. Die 3. Batterie wurde jetzt E/A-Einheit, während die 2. Batterie wieder „Schießende" wurde. Am 04.10. kam Leutnant Wolfrath ins Bataillon, der auf lange Sicht als S 1-Nachfolger vorgesehen war. Die Divisionsübung „BONDED ITEM" war dann der Ausbildungsschwerpunkt des 2. Halbjahres. Vom 18. - 22.10. fand diese Übung im Raume „ANGELN" statt. Bevor es dann zum zweiten Jahresübungplatzaufenthalt vom 05. - 16.12. ging, wurden noch das Brigadeschwimmfest am 04.11. und das Brigadesportfest am 10.11. absolviert.

Eigentlich hätte das Bataillon in diesem Jahr einen Schießplatzaufenthalt in SHILO / Kanada durchführen sollen, nachdem 1974 das Bataillon 165 mit unserer 3. Batterie und 1975 das Bataillon 177 mit unserer 4. Batterie dort geschossen hatten. Im Bataillon hatte man sich darauf eingestellt gehabt, doch gelang es der Kampftruppe bereits 1975, diese attraktive Ausbildung für sich alleine zu reservieren. Kurzerhand stand also SHILO nicht mehr für die Artillerie und das Gefecht der verbundenen Waffen zur Verfügung, nach Ansicht des Verfassers eine kurzsichtige, der Ausbildung abträgliche Maßnahme. Übrigens wurde die Artillerie in den späten 80-iger Jahren wieder für SHILO zugelassen.

Das Jahr 1977 begann mit der Materialprüfung nach§ 78 BHO. Erneut begab sich eine umfangreiche Prüfgruppe 14 Tage lang in das Bataillon, um Vollzähigkeit und Zustand sämtlichen Materials und die Bewirtschaftung und Verwaltung desselben zu überprüfen. Das Ergebnis der Überprüfung war ein gutes.

Ein Schwerpunkt wurde in diesem Quartal die Neuplanung des GDP (General Defence Plan/Planung für den Ernstfall). Die Offizier- und Unteroffizierweiterbildung wurde weitgehend auf diese Aufgabe abgestimmt.

Die Rantzau-Kaserne sollte im nordostwärtigen Bereich erheblich erweitert werden. Dieser Planung musste leider das ideale Art-KK-Gelände zum Opfer fallen, das in dem betreffenden Bereich des Standortübungsplatzes lag. Als neues KK-Gelände wurde in mehreren Verhandlungen mit der Standortverwaltung, dem Standortältesten und den Vertretern der anderen Verbände der Bereich festgelegt, der bisher unter der Bezeichnung „Segelfliegerwiese" bekannt war. Er war im nördlichen Teil des Übungsplatzes gelegen und leider nicht so gut geeignet, wie das alte gewohnte Gelände.

Eine ganz besondere Aufgabe stand dem Bataillon Anfang März bevor. Die Stadt Neumünster hatte sich aus Anlass ihrer 850-Jahr-Feier in diesem Jahr um die Ausrichtung der „Deutschen Crosslauf-Meisterschaft" beworben. Großzügig bot die Brigade Hilfestellung an.

Das Bataillon 185 war dann Letztenendes der Ausrichter der Veranstaltung, die am 05./06. März auf dem Standortübungsplatz ausgetragen wurde. Projektoffizier war Hauptmann Hesse, der Chef der 2. Batterie.

Ein einschneidender Wechsel im Bataillon erfolgte im März. Der bisherige Stellvertreter, Oberstleutnant Alte, wurde als Bataillonskommandeur zum PzArtBtl 325 nach Schwanewede bei Bremen versetzt. In einem Bataillonsappell am 15. März würdigte der Kommandeur OTL Altes Leistungen und verabschiedete ihn. Gleichzeitig stellte er den Nachfolger, Major Haar, bisher S 3-Stabs-offizier im Stabe der PzGrenBrig 17 m Hamburg, vor. Hptm Hesse wurde auch zum 1.4. versetzt, und zwar als Inspektionschef nach Idar-Oberstein.

Vom 21. - 24.03. führte der ArtSpezZg seinen NSI mit erneut gutem Ergebnis durch. Das Bataillon verlegte vom 29.03. bis 06.04. nach „MUNSTER SÜD", die Unterbringung erfolgte im "Biwakraum B". Für die 2. Batterie war es der erste Übungsplatzaufenthalt seit 3 Jahren, hatte sie doch bis jetzt ständig Rekruten ausgebildet. Hinzu kam, dass auch der neue Chef erst 10 Tage im Amte war. Das Programm war dementsprechend abgestimmt. Auch die 4. Batterie war durch die Erkrankung ihres Chefs beeinträchtigt, sie wurde während des Übungsplatzaufenthaltes vom Batterieoffizier - Oberleutnant Köhler - geführt. In Anbetracht dieser besonderen Umstände gab es nur ein Bataillonsschießen am letzten Tage.

Am 01. April nutzten erneut Vertreter aller Patengemeinden die Gelegenheit, um „ihre" Batterie während des Truppenübungsplatzaufenthaltes zu erleben.

Ab Juni führte die Firma MAK auf dem Standortübungsplatz mehrwöchige Versuche mit einem Prototyp der neuen „Panzerhaubitze 80" durch. Das Bataillon stellte hierzu Unterkunft und Instandsetzungshilfe. Diese Haubitze ist nie eingeführt worden, sie bildete jedoch die Basis für die Entwicklung der Panzerhaubitze 2000.

Hauptfeldwebel Menzel verließ nach langjähriger Btl - Zugehörigkeit und 12-jähriger Tätigkeit als Batteriefeldwebel das Bataillon. Sein Nachfolger wurde Oberfeldwebel Bammel, bisher S 1- Feldwebel im Bataillonsstab.

Ab 07 .11. begann im Lehrsaalgebäude des Bataillons der Einbau des „Schießsimulators". Dieser Simulator war in der Bundeswehr je Division einmal beschafft worden. Zur Nutzung für alle Artilleriebataillone der 6. Division war Boostedt als Standort bestimmt und das PzArtBtl 185 mit der Wahrnehmung aller Planungen, Einbaumaßnahmen und mit Betrieb und Pflege des Simulators beauftragt worden.

Im I. Quartal des Jahres 1978 standen keine größeren Übungen bevor. Das erste Ereignis war erfreulicher Natur. Am 11. Januar wurde dem Oberstabsfeldwebel Braun die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen und durch Oberst Hentschel in einer Feierstunde im Offizierheim im Beisein aller Offiziere und Unteroffiziere überreicht.

Am 21. März wurde in der Boostedter Rantzau-Kaserne die 6. PzGrenDiv von Generalmajor Poeppel an Brigadegeneral Mack übergeben.

Vom 16. - 18.06. nahm die 4. Batterie mit Teilen am Dorffest ihrer Gemeinde Großenaspe teil. Der Brigadeball am 01.07. in den Wirtschaftsräumen des PzArtBtl 185 sah erneut das Btl als wesentlichen Träger der Vorbereitungen. Die 1. Batterie verdiente sich ein dickes Lob des Brigadekommandeurs für die besonders anerkannte Ausschmückung des Festsaales. Die 20-Jahr-Feier der 6. PzGrenDiv, die in Form eines Biwaks am 08. / 09. Juli stattfand, forderte erneut starke Beteiligung des PzArtBtl 185.

Der Ausbildungshöhepunkt dieses Jahres war zweifellos die NATO-Gefechtsübung „BOLD GU ARD". Diese fand im September unter Beteiligung deutscher, dänischer, englischer und amerikanischer Truppen statt. Eine umfangreiche und interessante Übung, die den Bataillonen einiges abverlangte. Für die Artilleriebataillone der Division schloss sich unmittelbar daran die Artillerieübung „BATTLE BALANCE" an. Der große Ausklang der Übung „BOLD GUARD" fand in Form eines „Feldessens" auf dem Gelände des Schlosses EMKENDORF - unserer Patengemeinde der 1. Batterie statt. Das Essen für die über 500 (!)Teilnehmer war von unserem Verpflegungsgruppenführer, Oberfeldwebel Wendlandt, zubereitet, dessen Spießbraten immer wieder bei Divisionsveranstaltungen, so auch hier, gefragt war. Der Besitzer vom Schloss Emkendorf, zugleich Bürgermeister unserer Partengemeinde -Baron von Lüttwitz - Heinrich- nahm bei diesem Essen auch teil, er erhielt das Divisionswappen aus der Hand des Divisionskommandeurs. Es war einer seiner letzten Auftritte unter Soldaten.

Mit der Versetzung des Kommandeurs des ebenfalls in der Rantzau-Kaserne stationierten PzBtl 183 gingen ab 01.10. die Aufgaben des Kasernenkommandanten auf den Kommandeur unseres Bataillons über. Das bedeutete eine für die Zukunft erhebliche Zusatzbelastung. In Nebenfunktion mussten alle Aufgaben wahrgenommen werden, die sich von der Sauberkeit in der Kaserne über Parkplatzregelungen, Baubesprechungen, Kasernenbelegung, Neuplanungen bis zur Wach- und Bereitschaftsregelung erstreckten. Großprojekte während der kommenden Zeit waren u. a. die Erweiterung der Kaserne im nordostwärtigen Bereich sowie die Neuanlage der Sportstätten.

Leider gab es dann noch am 21. Dezember am späten Abend einen traurigen Unfall. Zwei Soldaten der 2. Batterie - die Gefreiten Suska und Czaja - verunglückten mit ihrem Privat-Pkw - vermutlich infolge zu hoher Geschwindigkeit - auf dem Wege von Neumünster nach Boostedt, kurz vor der Kaserne. Beide waren sofort tot. Erneut ein trauriger Jahresabschluss und viel Arbeit für die betroffenen Vorgesetzten.

Es kam nach dem Weihnachtsfest jedoch noch turbulenter. Am 28. Dezember gab es einen erheblichen Wettersturz und der Winter brach an. Am 29.12. begann es zu schneien, und zwar in so starker Form, dass gegen Abend alles in Schleswig-Holstein zusammenbrach. Im Laufe des Abends wurde Katastrophenalarm ausgelöst und Schlüsselpersonal in die Kasernen befohlen. Am 30.12. lag in Schleswig-Holstein jeglicher Verkehr still, selbst die Züge fuhren nur noch sporadisch. Alle im Standort verfügbaren Soldaten waren in der Kaserne. Es waren nicht viele, war doch die Hälfte in der Neujahrsdienstbefreiung und diejenigen, die keinen Dienst am Wochenende hatten, am Freitag 29.12., noch vor Auslösung des Alarms, in Wochenendurlaub gefahren. Als es gegen Abend des 30.12. so aussah, als sollte sich die Wetterlage beruhigen, befahl die Brigade, dass nur diejenigen in der Kasernenbereitschaft verbleiben sollten, die keine Dienstbefreiung hatten. Der Stellvertreter – Major Haar - blieb somit mit ca. 50 Mann in der Kaserne. In der Nacht wurde dann überraschend doch das Ausrücken dieser Teile befohlen. Nachts gegen 24 Uhr starteten die Brigadeteile ihren Marsch über die völlig verschneite Autobahn nach Norden in den Raum Schleswig. Nur mühsam kam man voran, immer wieder blieben die Fahrzeuge stecken. Am 31.12. gegen 16.00 Uhr(!) erreichte die Kolonne die Kaserne in Schleswig - todmüde, man konnte kaum noch daran denken, dass Silvester war.

Das Winterwetter band die Teile des Bataillons bis zum 6. Januar 1979.

Am Wochenende 03./04.02. beging das Bataillon einen besonderen Festakt. Es wurde das 20-jährige Bestehen des Bataillons gefeiert. (Damals wurde noch der 02.02.1959, das Datum, an dem das Bataillon den Namen 185 erhielt, als Geburtsdatum des Bataillons angesehen. Später wurde dann als eigentlicher Geburtstag der 01.10 .195 8, der Tag der Aufstellung, festgelegt.) In der großen Schar Ehemaliger und ziviler Gäste konnte Oberstleutnant Welsch auch alle bisherigen Kommandeure an diesem Wochenende in Boostedt willkommen heißen.

Der Winter hatte sich nach der Katastrophe zur Jahreswende zunächst sehr wechselhaft verhalten. Dann plötzlich setzte er Mitte Februar wieder in voller Härte ein. Am 14. Februar musste erneut Katastrophenalarm ausgelöst werden. Riesige Schneemassen, vom Sturm zu meterhohen Schneewehen aufgetürmt, bedeckten erneut das Land, das Zentrum war diesmal südlich des Nord-Ostsee-Kanals. Der Alarm traf das Bataillon nunmehr besser vorbereitet. Die Alarmierung erfolgte während der Dienstzeit, das Bataillon war vollzählig und die Ausrüstung war aufgrund der Erfahrungen verbessert worden. Doch diesmal kam es nicht zum Einsatz des Bataillons, sondern nur zu Einzelanforderungen von Kraftfahrzeugen. Am Samstag, 17 .02, wurde der Alarm aufgehoben.

Ein trauriges Ereignis war der Tod des Barons von Lüttwitz-Heinrich aus der Patengemeinde der 1. Batterie - Emkendorf. Nach kurzer Krankheit starb er im März, 50-jährig. An seiner Beerdigung am 14.03. nahmen der Kommandeur und eine Abordnung der 1. Batterie unter Führung von Hauptmann Marten teil. Mit dem Baron verloren wir einen guten Freund der Soldaten und des Bataillons, einen aufgeschlossenen und großzügigen Förderer der Patenschaft zwischen der 1. Batterie und der Gemeinde Emkendorf, deren Bürgermeister er gleichzeitig war.

  1. Batterie und Artilleriespezialzug absolvierten vom 12. - 17.03. erneut den NSI und bestanden ihn in bewährter Weise. Inzwischen war erneut ein Tausch in den Aufgaben zwischen 2./- und 3. Batterie vorgenommen worden. Ab 01. Januar war die 3. Batterie wieder „Schießende", während die 2. Batterie E/ A-Einheit wurde. Im März begründete der Kommandeur in seiner Eigenschaft als Kasernenkommandant gemeinsam mit den Kommandeuren der anderen in der Kaserne stationierten Bataillone den „Boostedter Dämmerschoppen". Dieser war eine neue Möglichkeit ständiger Kontaktpflege zur Boostedter Gemeinde. Der Dämmerschoppen wurde in den kommenden Jahren zur ständigen Einrichtung.

Eine besondere Ehrung erfuhr das Bataillon am 08. Juni. In Anerkennung seiner Leistungen bei der Schneekatastrophe war das PzArtBtl 185 zusammen mit 5 weiteren Verbänden zur Verleihung des Fahnenbandes des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein vorgeschlagen worden. Am Abend des 08. Juni erfolgte die Verleihung im Eutiner Schlossgarten durch den Ministerpräsidenten Stoltenberg, in Anwesenheit einiger Hundert Zuschauer und vieler Gäste aus dem zivilen und militärischen Bereich. Als einer der (bis dahin) wenigen Verbände konnte das Bataillon künftig bei offiziellen Veranstaltungen mit 2 Fahnenbändern an der Truppenfahne auftreten.

Eine Großveranstaltung mit bekannt umfangreicher Vorbereitung war dann der „Tag der offenen Tür bei der PzBrig 18". Etwa 30000 Besucher strömten am 09. September in die Rantzau-Kaserne, um die Brigade in der Selbstdarstellung zu erleben. Aus der Sicht aller Beteiligten wurde auch diese Veranstaltung ein voller Erfolg.

Zum 01.09. wurden drei Offiziere aus dem Bataillon versetzt. Olt Korndörfer wurde entlassen und Leutnant Oppor zum FArtBtl 61 versetzt. Als Ersatz kamen Lt Christiansen und Leutnant Friese, die jedoch noch 1 Jahr ergänzende Ausbildung vor sich hatten und somit für den Einsatz im Bataillon nicht verfügbar waren. Oberleutnant Köhler, der S 2 des Bataillons, wurde ebenfalls versetzt, und zwar als Chef zum PzArtBtl 75 nach Fischbek (Hier sollte er später Major Haar als seinen Kommandeur wieder treffen). Für Oberleutnant Köhler wurde Oberleutnant Wachulka neuer S 2 (bisher Batterieoffizier 2./-).

Vom 16.-22.09 fand die Korpsgefechtsübung "HARTE FAUST" statt, an der das Bataillon mit nahezu allen Führungsteilen im Leitungs- und Schiedsrichterdienst teilnahm. Auf diese Übung war in diesem Jahr fast alles an Planung und Ausbildung in der Division zugeschnitten gewesen. Während der Übung konnte verständlicherweise im Standort nur bedingt ausgebildet werden. Die Übung selbst vermittelte den Beteiligten im Bataillon nicht unbedingt den von allen vorgesetzten Stellen propagierten Höhepunkt! Für Generalmajor Mack war es die letzte Übung seiner kurzen Zeit als Divisionskommandeur. Am 25.09. wurde die Division - erneut in der Rantzau-Kaserne - an Brigadegeneral Manthey übergeben.

Der 01. Oktober wurde für den Brigadekommandeur ein besonderer Ehrentag. Nach 5- jähriger Tätigkeit als Kommandeur wurde Oberst Hentschel an diesem Tage Brigadegeneral. Das Ereignis war bereits vorher angekündigt und von der Brigade ein Feldempfang auf dem Standortübungsplatz organisiert worden. Diesem voraus ging ein Parcours, währenddessen General Hentschel auf dem Übungsplatz von allen Verbänden und selbstständigen Einheiten der Brigade mit einem Kampffahrzeug transportiert und jeweils dem nächsten Truppenteil übergeben wurde. Leopard, Marder, M 109 und Feldumschlaggerät bildeten die Transportmittel. Unser Bataillon wartete mit einer besonderen Überraschung auf: Eine M 109 war als fahrbares Wohnzimmer eingerichtet worden, mit Gardinen, Blumenkästen, Teppich, Sessel, Fernseher, Tisch und vielen Kleinigkeiten mehr. Der Brigadegeneral zeigte sich sichtlich überrascht und belustigt, als er während dieses Teils der Fahrt in der Haubitze sitzend mit Oberstleutnant Welsch ein Glas Sekt trinken konnte.

 

Die 1980er Jahre

Das Jahr 1980 sollte das Jahr der Umgliederung auf die neue Heeresstruktur werden. Zu Beginn gab es noch wenig klare Vorstellungen, doch liefen Personalplanungen und Organisationsvorbesprechungen bereits an. In der Rantzau-Kaserne zeichneten sich erhebliche Umbelegungen ab. Im Januar wurde Oberleutnant Enders, Batterieoffizier 4. Batterie, zur Artillerieschule nach Idar-Oberstein versetzt, für ihn erhielt das Bataillon keinen Ersatz.

In diesem Jahr wurde endlich der Truppenversuch „Sanitätsmodell" beendet. Damit ging die lange Phase eines unglücklichen Versuchs zu Ende, der für die Truppe erhebliche Belastung gebracht hatte.

Am 21.04. besuchte MdB Würzbach (CDU) die Kaserne. Nach verschiedenen Gesprächen und Diskussionen mit Soldaten aller Dienstgradgruppen nahm er abends am Dämmerschoppen des Standortes mit vielen zivilen Gästen teil.

Zwei bewährte zivile Mitarbeiterinnen wurden in diesem Jahr verabschiedet. Frau Wiegers, langjährige Schreibkraft der 2. Batterie und Frau Deinert, ebenfalls langjährig in der S 4- Abteilung eingesetzt, wurden am 30.04. bzw. 30.06. vom Kommandeur im Beisein vieler Mitarbeiter in den Ruhestand entlassen. . Der Juni war vollgepackt mit Übungsvorhaben. Zunächst galt es wieder, den NSI zu absolvieren. Dieses gelang ohne Probleme vom 02. -06. Juni unter Führung des neuen Artilleriespezialzugführers, HFw Marschal, der vom RakArtBtl 62 zu versetzt worden war. Am 06. Juni verlegte das Bataillon dann nach Dänemark, um erneut an der NATO-Übung „BEAT BLOW" teilzunehmen. Bis zum 12.06. dauerte die Übung, die bei allen Beteiligten als Abwechslung zum normalen Übungsprogramm in den nationalen Bereichen gut ankam. Unmittelbar nach Beendigung der Übung wurde das Bataillon mit allen Teilen in Dänemark verladen und direkt nach MUNSTER verlegt, um hier vom 14. - 20.06. eine weitere Woche auf dem Übungsplatz zu verbringen. Es war dieses der letzte Übungsplatzaufenthalt unter dem gegenwärtigen Kommandeur, dessen Versetzung zum Herbst vorgesehen war.

Nach der Rückkehr vom Übungsplatz lag der Schwerpunkt allen Planens in der Umstrukturierung. Die „fast endgültigen" Organisationsbefehle lagen vor, die Planung für die erforderlichen Versetzungen war weitgehend abgeschlossen.

Nach der Urlaubszeit galt es dann, die notwendigen Umbelegungen in der Kaserne zu beginnen. Dieses wurde erheblich erschwert durch die zeitgleich stattfindende Korpsübung „FRISCHER WIND", für die die Rantzau-Kaserne als Korps-Gefechtsstand ausgewählt worden war. Diese „Ehre" erforderte, dass während dieser Zeit - 29.08. bis 10.09. - mehrere Einheiten der Kaserne ins Biwak auf dem Standortübungsplatz ziehen mussten. Die Batterien des Bataillons verbanden diesen Anlass mit der Durchführung von Ausbildungsbiwaks in den Patengemeinden, nach deren Durchführung sie in die neuen Blocks einzogen.

Der Block der 3. Batterie G 4 war damit frei für die Übungstruppe. Er wurde später an das PzBtl 183 übergeben. Parallel mit diesen Ereignissen lief die Vorbereitung auf die Bataillonsübergabe. OTL Welsch wurde zum 15.09. nach 6,5 -jähriger Kommandeurzeit zum NATO-Hauptquartier Nordeuropa (HQ AFNORTH) nach Oslo versetzt. Am 01. 09. traf der Nachfolger - OTL Esch - ein, der bis dahin stellvertretender Kommandeur PzArtBtl 295 war. Die üblichen Übergabeprozeduren und Verabschiedungen zogen sich während der Woche hin. Am 08.09. nachmittags fand dann die offizielle die Bataillonsübergabe durch den Brigadekommandeur - General Hentschel - statt. Zahlreiche militärische und zivile Gäste waren erschienen, um sich vom alten Kommandeur zu · verabschieden und den „Neuen" zu begrüßen.

Der stv. Kommandeur und S3St0ffz des Bataillons, Oberstleutnant Jörn Haar, wurde am 22 Januar 1981 im Rahmen eines Bataillonsappells aus dem Artilleriebataillon verabschiedet. In dreieinhalb Jahren hatte er an acht Übungsplatzaufenthalten sowie an zehn Truppenübungen auf NATO- und Divisionsebene teilgenommen und wesentlichen Anteil an den guten Ergebnissen seines Verbandes. Er wechselte nach Hamburg-Fischbek und übernahm das Panzerartilleriebataillon 75. Sein Nachfolger im Amt wurde Major Arps, bisher Technischer StOffz im Bataillon.

Am 2.April war das Zweite Deutsche Fernsehen in Boostedt zu Gast, um bei der Ausbildung und in den Unterrichten über die „Innere Führung" etwas in Erfahrung zu bringen. Zwei Tage wurde mit großem Aufwand im Verband gefilmt. Unter anderem wünschten sie auch die Simulation einer sogenannten „Duschszene". Das ganze „Theater" wurde nur veranstaltet, um am Tage der Veröffentlichung des Berichtes des Wehrbeauftragten, in der vom zwangsweisen Duschen von Wehrpflichtigen u. a. die Rede war, abends in der Tagesschau diese eine nicht länger als 30 Sekunden dauernde Duschszene zeigen zu können. Eine verkürzte und einseitige Darstellung in den Tagesnachrichten veranlasste den Presseoffizier der 6.Div., OTL von Trotha, dem verantwortlichen Chefredakteur, Klaus Bresser, einen „Protest"-Brief zu schreiben.

Weg vom Bier „lautet die Devise" des „Freizeitbüros der Rantzau-Kaserne", das auf Initiative des Kommandeurs, OTL Esch, ins Leben gerufen wurde. Diese Idee wurde erstmals in der schwäbischen 10. Panzerdivision mit Erfolg praktiziert. Die großen Erfolge bei der Betreuung der Soldaten im Standort Boostedt sprachen sich in Schleswig-Holstein rasch herum, sodass dieses Beispiel schnell Schule machte und innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes in allen Standorten in Schleswig-Holstein diese Freizeiteinrichtung zur Verfügung stand. Die Kanoniere Heinz-Otto Schmidt und Patrick Kuckuck haben das Freizeitbüro als erste sehr erfolgreich geführt und durch Pressearbeit und Rundfunksendungen im WDR II für die notwendige Verbreitung gesorgt. Der bald zum Gefreiten beförderte Kuckuck war sprichwörtlich bald in aller Munde.

Im April bekam das Bataillon ein neues Bataillonswappen. Das im Jahre 1974 geschaffene Wappen hatte nicht den heraldischen Kriterien entsprochen, die der auf diesem Gebiet besonders kenntnisreiche Kommandierende General für die Wappen seines Kommandobereiches forderte. Das Bataillon wurde daher angewiesen, ein neues Wappen zu gestalten. Unter Einschaltung eines Fachmannes, des langjährigen Reserveoffiziers im Bataillon, Major d.Res. Schütte, wurden mehrere Entwürfe gefertigt und dem Korps zur Genehmigung vorgelegt. Nach mehreren Einwänden „von oben" und danach berichtigten Entwürfen wurde schließlich das neue Wappen genehmigt. Es zeigt die Landesfarben von Schleswig-Holstein, Blau-weiß-Rot, zwei Buchenblätter aus dem Gemeindewappen Boostedt s als Bezug zum Standort, die Zugehörigkeit zum holsteinischen Raum durch die Symbolik des Nesselblattes und letztlich ein stilisiertes Haubitzrohr als Symbol für die Artillerie.

Am 24.Juni folgte der zweite Personalwechsel bei den Offizieren im Jahr 1981. Verabschiedet wurde der S2 des Bataillons, Olt Wachulka. Nachfolger wurde Olt Haupt, der von außerhalb dem Bataillon zu versetzt wurde. Am 2. Juli beteiligte sich das Artilleriebataillon an einer großen, dynamischen Waffenschau der PzBrig 18. Anlass war das Zusammentreffen von Verteidigungsminister Hans Apel mit seinem Ministerkollegen Poul Sögard aus Dänemark. Das Bataillon stellte für die Waffenschau den Geschützzug und Beobachter ab.

Ein Soldat der ersten Stunde wurde durch den stv. Kommandeur, Major Arps, geehrt. HFw Hans-Jürgen Kiekebusch, Batteriefeldwebel der 3. Batterie, erhielt die Dankesurkunde für 25 Jahre soldatische Pflichterfüllung. Am 01.08.1956 hat der Geehrte seinen Dienst bei der 1. Batterie des Feldartillerieregiments 1 angetreten. Das Bataillon verlegte mit den Verbänden der PzBrig 18 am 21.August auf den Truppenübungsplatz Bergen. Verstärkt wurde das Bataillon durch 100 einberufene MobReservisten, die schon wenige Stunden nach Eintreffen zusammen mit den Aktiven die Bahnverladung der Kettenteile durchführten. Besonders auffällig war, dass die Reservisten von den Aktiven nicht zu unterscheiden waren. Alle zeigten, dass sie ihr Fach beherrschten und dass sie noch nichts verlernt hatten. Höhepunkt des Aufenthaltes neben Bttr- und BtlGefechtschießen war die Volltruppenübung „Feiner Goldsand" unter Leitung des Brig Kdr Oberst Hartmut Schmidt-Petri. Im August statteten auch der DivKdr, Generalmajor Manthey, und der scheidende Inspekteur des Heeres, GenLt Pöppel, dem Bataillon einen Besuch ab, auch sie zeigten sich beeindruckt von der Leistung der Reservisten. Im Standort wurden die Reservisten nach einem BtlAppell, bei dem auch Beförderungen ausgesprochen wurden, wieder in das Zivilleben entlassen. Die Aktiven hatten alle Hände voll zu tun, um das Bataillon nach dem schweren Einsatz in Bergen wieder instand zu setzen. Am 1.September erhielt der Kommandeur des Bataillons, OTL Wolfgang Esch, aus der Hand des BrigKdr Oberst Schmidt-Petri das gerade durch den Bundespräsidenten gestiftete Ehrenkreuz in Gold. Besonders hervorgehoben wurde in der Laudatio die erfolgreiche Gewinnung von Zeitsoldaten und die erfolgreiche Einführung des Freizeitbüros im Bataillon und in den Verbänden der 6.Division.

Am 27.November besuchte der Innenminister des Landes, Dr. Uwe Barschel, zusammen mit Bürgermeister Steffensen die Offiziere und Unteroffiziere der in der Rantzau-Kaserne stationierten Verbände im Rahmen einer „Wahlkampftour". Unmut gab es an diesem Freitagnachmittag, weil der Minister mit erheblicher Verspätung in der Rantzau-Kaserne eintraf. Auch in der Frage eines Feldwebels zur hohen Dienstzeitbelastung zeigte Herr Minister wenig Gespür, er würgte den fragenden Dienstgrad ab mit der Bemerkung "seine Polizeibeamten würden auch immer über zuviel Überstunden klagen". Am 4.Dezember fand diesmal wieder im Standort Boostedt die Barabarafeier statt, an der Offiziere, Unteroffiziere und 300 Gäste des Bataillons teilnahmen. Ein hervorragendes Programm wurde durch die Akteure geboten, die Lachsalven wollten kein Ende nehmen. Die Stimmung war so gut, dass Boostedter Bürger die Bühne erklommen und weitere Einlagen brachten. Zum obligatorischen Spießbraten mit reichlichem Biergenuss spielte die Oldesloer Feuerwehrmusik flotte Weisen. In der Musikkapelle spielten auch junge Damen mit, die eine bis dahin ungebrochene Tradition, dass nur Männer an der Barabarafeier teilnehmen, durchbrachen. Das Jahr endete mit einer Siegerehrung für die beste Fußballmannschaft in der Rantzau-Kaserne. Das Turnier, an dem sich alle Verbände und selbstständigen Einheiten beteiligt hatten und das über einen Zeitraum von einem halben Jahr durchgeführt wurde (jeder spielte gegen jeden) war durch das Freizeitbüro organisiert worden. Die Holsten Brauerei hatte dazu einen großen Pokal gestiftet, der bei der Siegerehrung durch Herrn Daske, Verkaufschef der Brauerei, übergeben wurde.

Im Februar 1982 ging es wieder mit den Verbänden der PzBrig 18 auf den TrÜbPlatz Bergen. Neben den üblichen Artillerieübungen mit und ohne scharfen Schuss fand als krönender Abschluss ein Schießen der verbundenen Waffen auf der für diese Übung vorgesehenen „berühmten" Schießbahn 9 statt. Der Übungsplatz Bergen stellt vor allem an die Beobachter besonders hohe Anforderungen, da die Beobachtungsentfernungen aufgrund der besonderen Geländestruktur besonders groß sind. Die Witterungsbedingungen waren auch sehr unterschiedlich, an einigen Tagen schüttete es vom Himmel so stark, dass die Fahrzeuge in den Stellungen bis zu einem halben Meter im Schlamm versanken.

Am 29.März wurde das Bataillon durch den Inspizienten der Artillerie, Oberst Stein, inspiziert. Um den Herren Inspizienten auf seine Inspizierungstätigkeit vorzubereiten, hatte der BrigKdr, Oberst Schmidt Petri, den Inspizienten sowie den zu inspizierenden Kommandeur des Bataillons am Vorabend zu einem Essen mit erlesenen Weinen eingeladen. Böse Zungen behaupten, das Ergebnis der Besichtigung wäre schon am Vorabend der Inspizierung besprochen worden. Ungeachtet dieser Randbemerkung ist die Besichtigung tatsächlich gut verlaufen. Alle Ausbildungsvorhaben in den einzelnen Batterien waren methodisch gut vorbereitet und mit Erfolg durchgeführt worden.

Höhepunkt des Jahres für das Bataillon war die Volltruppenübung „BOLD GUARD" vom 18. bis 24.September. Für diese Gefechtsübung wurden wieder 100 Reservisten eingezogen, die im Laufe des 14. Septembers im Verband eintrafen und auf die Gefechtsübung vorbereitet wurden. Das Bataillon, das mit den Reservisten auf 100% Kriegsstärke aufgefüllt war, zeigte in allen Phasen des Gefechtes eine große Beweglichkeit; eine durchgehende Feuerunterstützung der Kampftruppen konnte sichergestellt werden.

Im Rahmen eines Bataillonsappells, bei dem auch Gäste aus den Patengemeinden Emkendorf und Großenaspe eingeladen waren, wurde die 4. Batterie von Hptm Schacht an Olt Haupt übergeben. Hptm Schacht übernahm die Aufgaben des S4 Offiziers, Olt Haupt war bisher S2 im Bataillon. Olt Bittmann, Chef 3. Batterie, wurde zum Hauptmann befördert und beim anschließenden Empfang wurde Hptm Gruber durch den BrigKdr, Oberst Schmidt-Petri, zum Major befördert.

Am 03.Januar 1983 beförderte der parlamentarische Staatssekretär im BMVg, Peter Kurt Würzbach, im Offizierheim, Rantzau-Kaserne, einige Hauptfeldwebel stellvertretend für viele zu den wieder eingeführten Dienstgraden Stabsfeldwebel und Oberstabsfeldwebel. Bei 185 betraf dies die Hauptfeldwebel Hamann, Kiekebusch und Wichmann, die zum Stabsfeldwebel befördert wurden.

Vom 07. bis 11.März bestand der Artilleriespezialzug erneut den jährlichen NSJ in gewohnt sicherer Manier. Am 15.März wurde Oberst Toppe neuer Brigadekommandeur.

Aufgrund besonderer Umstände gab es seit Januar eine Vakanz in der Führung der 1. Batterie. Nachdem Hauptmann Bittmann für 3 Monate mit der Führung der I. Batterie beauftragt war, wurde zum 01. April Hauptmann Schmidt als neuer Chef zu versetzt, er wurde kurz darauf Major.

Wie in jedem Jahr verbrachten die Soldaten der 3.Batterie ein Übungswochenende in der Patengemeinde Sülfeld. Anlass war diesmal der Chefwechsel in der 3. Batterie. Hauptmann Bittmann übergab die 3.Batterie am Vortage an seinen Nachfolger, Hauptmann Wagner. Dieses Wochenende in der Gemeinde Sülfeld diente dem Abschied von Hauptmann Bittmann und der Einführung seines Nachfolgers. Ganz Sülfeld war auf den Beinen. Dieses war ein gelungener Beitrag für die Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft.

Am 06.Juli inspizierte der Inspekteur des Heeres, GenLt Glanz, die Verbände der 6.Division. Er besuchte auch die Einheiten des Artilleriebataillons bei der Ausbildung. Beim Empfang im Offzheim überreichte der Kommandeur, OTL Esch, als Hausherr dem Inspekteur eine Zeichnung über den Gefechtsverlauf der Schlacht bei den Düppeler Schanzen mit den Worten: "Die Infanterie hat in der Schlacht 1848 einen glänzenden Sieg in nur wenigen Minuten errungen, aber nur, weil die preußische Artillerie diesen Angriff noch glänzender vorbereitet hatte".

Am 16.September feierte der Standort Boostedt auf Einladung der Gemeinde mit einem Empfang im Offzheim „25 Jahre Standort Boostedt". Die Begrüßung nahm der amtierende Kasernenkommandant OTL Esch vor, Bürgermeister Steffensen hielt die Festansprache und Kreispräsident Baum überbrachte die Grüße des Kreises. Der Tag klang mit einem Konzert des Heeresmusikkorps 6 in der großen Sporthalle in Boostedt aus. Der 1 7. und 18. September gehörte dann dem Jubiläum des Panzerartilleriebataillons 185, das in diesem Jahr auf 25 Jahre Bestehen zurückblicken konnte. Mit einem Btl Appell und anschließendem Empfang mit zahlreichen Gästen aus dem öffentlichen Leben und vielen Bürgern aus Boostedt begannen die Veranstaltungen zum Jubiläum. Die alliierten Partner waren ebenso vertreten wie die Kameraden der Marine aus den benachbarten Standorten. Viele Ehemalige des Bataillons waren gekommen, sie trafen überall auf alte Bekannte. Die Bevölkerung aus Boostedt und aus den Patengemeinden wurde nachmittags zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Großgerät aus allen Verbänden der Division war zu besichtigen. Der 18.September gehörte den Ehemaligen, sie trafen sich im Offizierheim zu einem Frühschoppen, um den Gedankenaustausch nach einem Widersehen, oft nach Jahren, noch ein wenig pflegen zu können.

Am 21. September wurde erneut eine nukleare Einsatzfähigkeit der 4.Batterie mit dem ArtSpezZg in Form eines ATT geprüft. Zum wiederholten Male konnte dieser Test mit einem guten Ergebnis bestanden werden. Am 25. September wurde Major Arps im Rahmen eines BtlAppells aus dem Btl verabschiedet. Otl Esch dankte Major Arps für eine sehr erfolgreiche Arbeit im Bataillon und wünschte ihm für seine neue Aufgabe als Kommandeur in Göttingen alles Gute. Viele waren der Ansicht, Esch und Arps waren ein Gespann, das sich durch niemand hat auseinanderdividieren lassen, auch nicht von Vorgesetzten. Nachfolger im Amt des Stellvertreters wurde Hauptmann Hesse. Gleichzeitig wurde Hauptmann Bittmann versetzt. Sein Nachfolger als Batteriechef, 3.Batterie, wurde Hauptmann Wagner. Während des Appells erhielten der Landtagsabgeordnete Boege und der Bürgermeister der Gemeinde Boostedt, Steffensen, die Ehrennadel des Bataillons für die dem Verband stets gewährleistete Unterstützung.

Höhepunkt im Jahr 1983 war die Teilnahme des Bataillons an der NATO Übung "BRISK FRAY", die vom 31. Oktober bis 04.November im Übungsraum Ostholstein unter der Leitung von DivKdr GenMaj Clauß unter Beteiligung britischer und dänischer Verbände durchgeführt wurde. Das ArtBtl glänzte in dieser Übung mit einer herbstlichen Volltarnung in braun, gelb und schwarzen Farben, die so hervorragend gewirkt hat, dass die "rote Luftwaffe", die ganz speziell auf unsere Artillerieeinheiten angesetzt war, ihre Ziele nicht erkannte und den Angriff ins Leere flogen. Es war wieder Barbarazeit, pünktlich zum 3. Dezember luden die Barbara jünger eine große Gästeschar in die Rantzau-Kaserne, um der nun nicht mehr heiligen Barbara zu huldigen.

Das Jahr 1984 begann wieder einmal mit der Prüfstufe „C'' zu einer ungünstigen Jahreszeit für alle Akteure. Dank der guten Vorbereitung durch den TStOffz, Major Gruber, alle Kfz wurden vor der Prüfstufe nach Typen im Bataillon einheitlich einer Prüfung unterzogen, konnte das Bataillon wiederum ein gutes Ergebnis erzielen. Der Generalinspekteur, GenLt Altenburg, selber Artillerist und ehemals Angehöriger der 6.Division, besuchte die PzBrig 18, unter anderem auch das PzArtBtl 185. Dem Generalinspekteur wurden die ersten Erfahrungen mit dem neuen Beobachtungspanzer vorgetragen, was bei ihm als Artillerist auf besonderes Interesse stieß und dazu führte, dass er über die vorgetragenen Probleme eine schriftliche Vorlage wünschte.

Nach einer Vorbereitungszeit von mehr als zwei Jahren hatte das dänische Verteidigungsministerium der ersten Patenschaft zwischen einem deutschen und dänischen Verband zugestimmt. Die Zustimmung erfolgte erst, nachdem ausdrücklich versichert wurde, dass für den dänischen Verband keine zusätzlichen Kosten entstehen würden, wurden die Patenschaftsurkunden wurden am 6. Februar im dänischen Varde im Rahmen eines Appells ausgetauscht. Während des anschließenden Banketts, bei dem die beiden Kommandeure, OTL Esch und OTL Jacobsen, die guten und freundschaftlichen Verbindungen noch einmal hervorhoben, traten nach einem trüben Vormittag Sonnenstrahlen hervor, was von allen Teilnehmern als gutes Omen gewertet wurde. Auftakt für die Entwicklung der Patenschaft war der gegenseitige Batterieaustausch im Jahre 1982 gewesen.

Am 19. Mai veranstaltete die Brigade 18 mit allen Verbänden und selbstständigen Einheiten ein Bürgerbiwak. Neben einer großen Waffenschau, bei der das Großgerät der 6. Div besichtigt werden konnte, verwandelte sich der Standortübungsplatz in ein großes Biwak mit Musik, Spezialitäten und Holstenbier vom Fass. Der Renner an diesem Tage war eindeutig der von den Artilleristen zubereitete und angebotene ArtillerieSpießbraten nach Art Idar-Oberstein. Alle Portionen waren schon verkauft, als das Spanferkel, zubereitet von den Panzersoldaten, immer noch darauf wartete, gar zu werden. Dieses Biwak war eine gelungene Veranstaltung zur Integration in die Bevölkerung von Neumünster und Umgebung.

Am 2.August war wohl der schwärzeste Tag in der Geschichte des Bataillons. Durch das menschliche Versagen eines MTW Fahrers starben zwei junge Dienstgrade an den Folgen eines Unfalls. Beim Überfahren einer Brücke im Rahmen einer Bttr-Übung der 3. Batterie stürzte ein BeobMTW von einer Brücke auf ein Gleisbett. Kraftfahrer und zwei weitere Soldaten blieben völlig unverletzt, trotz eines Falles aus 7m Höhe. Fw Gottschalk, Kommandant, und Fähnrich Ring, Beob-Offizier, starben an ihren Verletzungen noch am Unfallort. Beide wurden unter großer Anteilnahme des Bataillons in ihren Heimatorten beigesetzt.

Am 11. November nahm das Bataillon mit einer Abordnung unter der Führung des Kommandeurs an den Feierlichkeiten zur Übergabe einer neuen Fahne an die 2. Bttr der 7. ArtAfdeling Varde durch Königin Margarethe II teil. Die alte Fahne, die diese Batterie zum ersten Mal im deutsch-dänischen Krieg von 1864 getragen hatte, war im Laufe eines Jahrhunderts zerschlissen, sie wurde in einer feierlichen Zeremonie gegen eine neue, die die Königin übergab, ausgetauscht. Beim anschließenden Empfang für 40 Gäste durch Königin Margarethe II durfte auch zum ersten Mal der Kommandeur des deutschen Patenbataillons mit Gattin teilnehmen.

Vom 30.Januar bis 15.Februar 1985 verlegte das Bataillon mit den Verbänden der PzBrig 18 auf den Truppenübungsplatz Bergen. Der Aufenthalt begann mit der Gefechtsübung „FEINER GOLDSAND". Geübt wurde das beweglich geführte Gefecht mit einem verstärkten PzBtl auf blauer Seite und einem verstärkten PzGrenBtl auf roter Seite. Feuerunterstützung leistete je eine Batterie.

Am 20. und 21. Mai wurden die 1./-, die 2./- und die 4. Batterie besichtigt.

Am 14.Juni hatte das Bataillon wieder hohen Besuch, zu Gast war das NATO Informationsforum, das im Rahmen einer Tagung auch das Artilleriebataillon besuchte. Die Gäste wurden in die Gliederung und Aufgaben eines Artilleriebataillons eingewiesen, sowie über die besonderen Ausbildungsvorhaben. Im August konnte dann die 3.Batterie auf das 10-jährige Bestehen ihrer Patenschaft zur Gemeinde Sülfeld zurückblicken. Mit verschiedenen Veranstaltungen wurde das erfolgreiche Patenschaftsverhältnis am 16./17. August in Sülfeld gefeiert.

Im September gab es wieder einen Wechsel: Der stellvertretende Kommandeur, Major Hesse, wurde versetzt, für ihn kam der bisherige Chef der 1.Batterie - Major Schmidt.

Anfang Oktober gab es dann wieder den obligatorischen Übungsplatzaufenthalt in MUNSTER, dem sich die Artillerieübung „BEAT BLOW" anschloss.

Von 4. bis 8.November wurde wieder mal ein ATT durchgeführt und erfolgreich bestanden.

Am 28. Januar 1986 besuchte der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant von Sandrat, die Division und auch die Rantzau-Kaserne in Boostedt.

Am 15. März fand dann die Übergabe des Bataillons statt. In einem feierlichen Appell übergab Oberst Böge in Anwesenheit einer großen Gästeschar das Bataillon von OTL Esch an Major Borwin Pahl. Angetreten war auch eine Abordnung des dänischen Patenbataillons. Bei dem anschließenden Empfang gab es eine Überraschung durch den Mädchenmusikzug Neumünster, der mit der gesamten Mannschaft zu einem Abschiedsständchen angetreten war. Wenige Tage später wechselten die Batteriechefs der 3. und 4. Batterie sowie der S 4 Offizier. Hauptmann Wagner wurde Technischer Stabsoffizier beim Artillerieregiment 2 in Kassel; Hauptmann Haupt Hörsaalleiter an der Artillerieschule in Idar-Oberstein und Hauptmann Schacht Chef der 1./ 165 in Wentorf. Oberleutnant Frauzem wurde Chef 3. Batterie, Oberleutnant Schultz Chef 4. Batterie und Hauptmann Sehwegmann S 4 Offizier. Aufgrund der personellen Veränderungen gingen viele Erfahrungen verloren. Zugleich ergab sich jedoch die Chance, neue Wege zu gehen.

Zum 15.Mai wurde der Bttr-Fw der 4.Batterie - HFw Woyda - nach 23jähriger Zugehörigkeit zum Bataillon - versetzt. Sein Nachfolger wurde HFw Rühmann. Vom 20. - 26. Oktober nahm das Bataillon an der Übung BOLD GUARD des Korps LANDJUT teil.

Die Brigade nutzte während BOLD GUARD die Gelegenheit, um die Organisation ihrer eigenen Gefechtsstände und der Bataillonsgefechtsstände zu überprüfen und zu verbessern. Das Bataillon wurde angewiesen, zwei gleichwertige Gefechtsstandteile zu bilden, um das Bataillon im überschlagenden Einsatz führen zu können. Kern jedes Gefechtsstandteiles bildete eine Führungszelle aus zwei Heck an Heck stehenden LKW 1,5 to Funk, über die eine besonders gefertigte Plane geworfen wurde, damit der Zwischenraum zwischen den LKW als Lagerraum genutzt werden konnte. Es wurde festgelegt, dass der Bataillonsgefechtsstand alle Vierteljahr drillmäßig das Herstellen der Arbeitsbereitschaft und den Stellungswechsel zu üben hatte.

Zum 01. April 1987 nahm das Bataillon die neue Artilleriestruktur 85 ein. Die Artillerie verfolgte damit die Absicht:

  • durch Auflösung einer der drei schießenden Batterien und Verteilung ihres Personals und Materials auf die verbleibenden zwei Batterien Führungspersonal für andere Aufgaben freizusetzen,
  • durch Einsatz der Chefs der schießenden Batterien nunmehr als Führer im Feuerstellungsraum der Batterie die dort anfallenden Probleme besser zu lösen,
  • durch Einsatz von zwei Feuerleitstellen bei jeder schießenden Batterie vier Feuerleitstellen im Bataillon zur Verfügung zu haben und damit eine Feuerleitstelle mehr als im Bataillon der alten Struktur,
  • durch Einrichtung von vier FUG-Trupps (davon drei V-gestellt) bei der 1. Batterie jedem der vier Kampftruppenbataillone der Brigade einen artilleristischen Berater auf Hauptmannsebene zur Seite zu stellen,
  • durch Einrichtung eines F-Dienstpostens für einen Feuerunterstützungsoffizier (FUO) bei der 1. Batterie und Zuordnung aller Beobachter der schießenden Batterien zu dem FUO, die Beobachterausbildung im Bataillon zu vereinheitlichen und zu verbessern.

Das Bataillon erhielt einen vierten Feuerleitpanzer. Bei allen Feuerleitpanzern wurde eine Datenübertragungsanlage eingebaut. Die Batterie - Feuerleitstellen konnten nun über Datenfunk mit den Beobachtungspanzern neuer Art und den anderen Batterie-Feuerleitstellen kommunizieren. Die Übermittlung des Feuerkommandos an die Geschütze musste weiterhin über Funk oder Fernsprechverbindung erfolgen und kostete somit nach wie vor viel Zeit. Im Zuge der Einnahme der Artilleriestruktur 85 wurde die 4. Batterie aufgelöst. für Personal und Material wurden auf die 2. und 3. Batterie verteilt. Neuer Chef der 2. Batterie wurde Oberleutnant Müller, der bisher als S 2 Offz im Bataillon eingesetzt war. Hauptmann Friese, der bisher die 2. Batterie geführt hatte, ging in die dienstzeitbeendende Berufsausbildung und nahm an einer Managerausbildung im zivilen Bereich teil. Neuer Chef der 3. Batterie wurde Oberleutnant Schultz, der bisher die 4. Batterie geführt hatte. Hauptmann Frauzen, der bisher die 3. Batterie geführt hatte, wurde der 1. FUO des Bataillons. Mit dieser Maßnahme wurde festgelegt, dass nur solche Offiziere FUO werden, die vorher in der Regel Chef -Verwendung hatten.

Vom 31. Oktober bis 06. November nahm das Bataillon an der Divisionsgefechtsübung BRISK FRA Y teil. Das Bataillon übte das erste Mal in der neuen Artilleriestruktur 85. Bei der Übung zeigte sich, dass die neue Struktur Schwächen hatte. In dem knickreichen Gelände in Schleswig-Holstein gelang es nicht schnell genug, mit dem vorhandenen Richtkreispersonal die neun Geschütze der Batterien einzurichten und dies insbesondere dann nicht, wenn die Geschütze getrennt aufgestellt wurden. Die Geschützführer schlugen vor, in jedes Geschütz Gerät zur Eigenvermessung einzubauen. Da drei der FUG-Trupps nahezu gestellt waren, nicht genügend Reserveoffiziere zur Besetzung dieser Trupps kamen und die aktiven jungen Beobachtungsoffiziere des Bataillons über sehr wenig Erfahrung verfügten, wurde es erforderlich, den Beobachtungsfeldwebel, Hauptfeldwebel Jürgens, als FUO einzusetzen und ihm drei Leutnante nachzuordnen. Diese Regelung wurde von allen Offizieren akzeptiert. Hauptfeldwebel Jürgens zeigte eine tadellose Leistung als Offizierdiensttuer. Die Auflösung der 4.Batterie erforderte auch eine Neuordnung der Patenschaftsverhältnisse. Seit 1975 bestanden die Patenschaften zwischen der 3. Bttr und Sülfeld sowie zwischen der 4. Bttr. und Großenaspe. Die Entscheidung, eine dieser Patenschaften aufzulösen, fiel schwer. Letztlich wurde zugunsten von Großenaspe entschieden, wobei die räumliche Entfernung einer der Gründe für diese Entscheidung war. Über die Aufnahme der neuen Patenschaft zwischen der 3. Bttr und Großenaspe berichtete die Segeberger Zeitung am 06.11.1987.

Im Laufe des vierten Quartals und des ersten Quartals des nächsten Jahres wurden alle M 109 G nachgerüstet. Sie erhielten ein neues, leistungsgesteigertes Rohr mit einer maximalen Schussentfemung mit herkömmlicher Munition von 24 km (bisher 18 km). Parallel dazu wurde in jedes Geschütz ein Daten-Ein/ Ausgabegerät (DEA) eingebaut, mit dessen Hilfe Geschütz und Feuerleitpanzer fortan über Datenfunk in begrenztem Rahmen kommunizieren können. Die Feuerleitstelle kann ihre Feuerkommandos auf dem Display der DEA zur Anzeige bringen, das Geschütz kann einfache Meldungen an die Feuerleitstelle absenden.

Zum 11. Januar 1988 wurde der Artillerie - Spezialzug 6 an die Stabsbatterie des Artillerieregiments 6 abgegeben. Vom Bataillon fiel nun die Last ab, mit dieser Teileinheit die ihr aufgelegten schweren Tests zu bestehen, von denen Wohl und Wehe des Bataillons abhingen. Zugleich verlor das Bataillon aber auch die Spezialeinheit, die es gegenüber anderen Bataillonen heraushob. Viele verdiente Soldaten mussten das Bataillon verlassen, an der Spitze der Zugführer, Hauptfeldwebel Hellwig, der in unserem Bataillon groß geworden war. Beim Ausmarsch des Artilleriespezialzuges aus der Kaserne waren M 109 vor dem Kasernentor aufgefahren und schossen Salut. Vom 27. - 28. April nahmen die Vermessungsteile der 2. Batterie am KorpsVermessungswettbewerb NORDPFEIL teil und erzielten mit der Note „sehr gut" einen Spitzenplatz unter den Teilnehmern. Auseinandersetzungen innerhalb der Artillerie über den Aufwand und den Nutzen des Wettbewerbs führten dazu, den Wettbewerb in Zukunft nicht mehr auszuschreiben.

Am 08. April wurde Major Dehnbostel, der Chef der 1. Batterie, als S 3 Stabsoffizier und stellvertretender Bataillonskommandeur zum Raketenartilleriebataillon 62 nach Kellinghusen versetzt. Sein Nachfolger wurde Hauptmann Franke. Hauptmann Schulz, Chef Ausbildungskompanie 6, ging als S 4 zum Panzergrenadierbataillon 182 nach Bad Segeberg. Sein Nachfolger wurde Oberleutnant Zeyn.

Vom 13. - 16. Juni musste sich der Artillerie - Spezialzug 6 bei der Stabsbatterie des Artillerieregiments 6 einem weiteren Test unterziehen (ATT). Da der Zug nur im Zusammenwirken mit einem Panzerartilleriebataillon geprüft werden konnte und die beiden anderen Panzerartilleriebataillone der Division immer noch nicht auf solche Prüfungen eingerichtet waren, musste das Bataillon erneut einen Test über sich ergehen lassen. Alle im Test gestellten Aufgaben wurden in der vorgegebenen Zeit mit der vorgegebenen Genauigkeit erfüllt. Vom 20. - 26. Juni besuchten 15 Soldaten der 3. Batterie unter Leitung von Oberleutnant Schulz (Batterieoffizier 3. Batterie) unser dänisches Patenbataillon, die 7. ArtAfdeling in Varde.

Am 10. / 11. September feierte das Bataillon bei blendendem Wetter das 30-jährige Bestehen mit ehemaligen Angehörigen und Freunden. Am ersten Tag schauten ca. 3000 Gäste einer dynamischen Waffenschau auf dem Standortübungsplatz Boostedt zu. An diese Vorführung reihten sich ein Erbsensuppen-Essen im Gelände unter blauem Himmel, Vorführungen in der Kaserne und ein gemütlicher Grillabend bei den Batterien. Am zweiten Tag klang die Übung mit einem Bataillonsball mit ca. 400 Gästen aus.

Am 27. September führte das Bataillon im Zusammenwirken mit der Gemeinde Boostedt das traditionelle Standortkonzert durch. Das Heeresmusikkorps 6 erwies sich wieder als Magnet für die Boostedter. Es erschienen wieder ca. 600 Gäste.

Am 26. Januar 1989 besuchten einige dänische Offiziere der Artillerieschule Varde das Bataillon. Die vom 13. - 19. März geplante Winterkampfausbildung im Schwarzwald wurde wegen der milden Witterung abgesagt. Einige der angemeldeten Teilnehmer waren traurig, andere freuten sich. Am 31. März wurde Major Brückner, unser S 3 Stabsoffizier und stellvertretender Kommandeur, als Referent zur Stammdienststelle nach Köln versetzt. Sein Nachfolger wurde Hauptmann Herwig. Am 11. Juni führte das Bataillon das traditionelle Standortkonzert mit dem Heeresmusikkorps 6 durch. Die Veranstaltung wurde wieder ein Erfolg, wieder erschienen ca. 600 Gäste.

Vom 12. - 13. Juni nahmen ausgewählte Soldaten des Bataillons unter Leitung von Oberleutnant Schulz (Batterieoffizier 3. Batterie) am deutsch-dänischen Ausbildungsbiwak auf dem Standortübungsplatz Boostedt teil. Im Rahmen der Ausbildung wurden infanteristische Wettbewerbe für gemischte Mannschaften aus deutschen und dänischen Soldaten durchgeführt. Nicht gewinnen, sondern dabei sein war Trumpf. Die gemeinsame Aufgabe führte zu noch besserem Verständnis zwischen dänischen und deutschen Soldaten. Am 21. Juli besuchten 20 Marinesoldaten des US-Schlachtschiffes IOW A Teile der 6. Panzergrenadierdivision, zu denen auch das Bataillon gehörte. Mit diesem Programm sollten die Marinesoldaten von ihrer misslichen Lage abgelenkt werden. Das US - Schlachtschiff lag nämlich seit mehreren Tagen im Kieler Hafen und war ständigen Demonstrationen von Atomkraftgegnern so sehr ausgesetzt, dass der Kapitän weder Schiffsbesuche noch Landgänge seiner Soldaten zulassen konnte.

Vom 11. - 22. September übte das Bataillon im scharfen Schuss auf dem Truppenübungsplatz MUNSTER-SÜD. Wieder stand die Überprüfung der Schießleistung durch den Divisionsartillerieführer auf dem Programm. Diesmal gelang es, alle Schießaufgaben, ohne jeglichen Fehler zu erfüllen, das Ergebnis „sehr gut" zu erzielen und das Schießergebnis von 1986 noch zu übertreffen. Alle waren glücklich; auf dem Leitungsgefechtsstand des Bataillons knallten Sektkorken. In die Freude über den Erfolg mischte sich ein Wermutstropfen. Bei einem Kfz - Marsch der 2. Batterie mit Tarnlicht in der übernächsten Nacht auf dem Truppenübungsplatz kam der Kolonne plötzlich in einer Kurve ein Kfz mit normalem Licht entgegen. Die Kfz führten sofort eine Vollbremsung durch. Ein Geschütz berührte dabei den davor fahrenden M 113. Der am M 113 hinten angehängte Benzinkanister platzte. Das Benzin spritzte dem Geschützführer und dem Kraftfahrer des Geschützes in die geöffneten Augen. Das Rohr vom Geschütz rauschte am Kopf des Kommandanten vom M 113 vorbei. Das Augenlicht der beiden Soldaten, die vom Benzin getroffen wurden, konnte gerettet werden. Der Kommandant vom M 113 kam mit dem Schrecken davon - Glück gehabt.

Am 29. September wurde Hauptmann Müller, Chef der 2. Batterie, zur Weiterbildung an die Artillerieschule versetzt mit dem Ziel, ihn später zu einem Chef-Lehrgang bei der US Army zu entsenden. Nachfolger wurde Oberleutnant Möller.

Am 24. Oktober präsentierte das Bataillon auf dem Standortübungsplatz Boostedt auf Befehl der Division vor 40 Offizieren der AFNORTH ORIENTATION TOUR im Rahmen einer dynamischen Waffenschau das einsatzwichtige Hauptgerät der Division. Die Vorführung lief in der gleichen Qualität ab, die die sonst für solche Aufgaben zuständigen Panzerbataillone 183 und 184 zeigten. Das Bataillon freute sich über diesen Erfolg.

Seit Sommer dieses Jahres deuteten sich entscheidende Veränderungen in der DDR an. Immer mehr Ostdeutsche versuchten, über die Urlaubsländer des Ostblocks in den Westen zu fliehen. Wie alle Deutschen verfolgten auch wir Soldaten diese Entwicklung mit Bangen und Hoffnung. Die Nachricht von der Maueröffnung am 9. November kam dann für uns alle überraschend, niemand hatte diese Entwicklung in friedlicher Form für möglich gehalten; bis zum Schluss rechnete man jederzeit mit einem Eingreifen bewaffneter Kräfte, wie man es in der Vergangenheit ja schon erlebt hatte.

Nun aber war das Unfassbare geschehen und noch am selben Abend fuhren auch einige von uns an die Grenze zur DDR, um die Ereignisse persönlich mitzuerleben. In den nächsten Tagen beherrschte uns alle nur dieses eine Thema: „Grenzöffnung-und wie geht es weiter?" Große Freude herrschte über die Aussicht auf eine Wiedervereinigung und mit recht konnten wir als Bundeswehrangehörige stolz darauf sein, durch unser Dasein und unseren Dienst im Rahmen der NATO einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet zu haben.

Am 05. Dezember erhielt das Bataillon den Auftrag, in der Rantzau-Kaserne die zentrale Stelle des Landes Schleswig - Holstein zur Aufnahme der Übersiedler aus der DDR einzurichten. In fieberhafter Eile wurde ein Unterkunftsgebäude vorbereitet und Verpflegung bereitgestellt. Das Land verfügte, dass die Leitung der Aufnahmestelle vom Roten Kreuz zu übernehmen war. Die Übersiedler sollten in der Kaserne für ca. 14 Tage verbleiben und dann auf die Landkreise auf geteilt werden. Diese Aufgabe traf das Bataillon völlig unvorbereitet. Alle gaben sich Mühe. Hauptfeldwebel Jürgens erklärte sich bereit, die Betreuung der Aufnahmestelle zu übernehmen. Die Verkürzung des Wehrdienstes von 15 auf 12 Monate zum 01.01.1990 zwang dazu, wieder zur einheitsweisen Auffüllung der Einheiten mit Rekruten zurückzukehren. Bei diesem Auffüllrhythmus haben die Batterien nahezu durchgehend unterschiedliche Ausbildungsstände, sodass Bataillonsübungen nur noch im Ausnahmefall möglich sind. Dies führte dazu, dass neben der Ausbildungskompanie 2 / 6 nun auch die 1., 2. und 3. Batterie auf sich alleine gestellt Übungen auf Truppenübungsplätzen durchführen mussten.

 

Die 1990er Jahre - Das Ende

Vom 04. Januar - 07. Februar 1990 überprüfte die Division die Einsatzbereitschaft des Gerätes des Bataillons (Technische Materialprüfung C). Durch Einsatz aller verfügbaren Kräfte bis häufig spät in die Nachtstunden hinein gelang es, 95 Prozent des Gerätes ohne jeglichen Mangel vorzustellen und damit eine sehr gute Leistung zu erzielen. In diese Rechnung ging ein, dass bei allen gepanzerten Kfz und allen Waffenanlagen M 109 G A 3 die volle Einsatzbereitschaft festgestellt wurde. Das Bataillon war stolz auf diese Leistung. Großen Anteil an diesem Erfolg hatte der Technische Offizier, Hauptmann Kunert.

Vom 05. Januar - 30. April nutzte das Land Schleswig - Holstein die in der Rantzau-Kaserne vorbereitete Aufnahmestelle für Übersiedler aus der DDR. Es zeigte sich rasch, dass die Betreuung der Übersiedler durch zwei bis drei freiwillige Helfer des Roten Kreuzes nicht ausreichte. Das Bataillon unterstützte an allen Ecken und Enden. Als zu allem Überfluss noch eine Bombendrohung gegen die Übersiedler an einem Wochenende einging, erwies es sich als sehr günstig, dass die Übersiedler in einer Kaserne untergebracht waren, die wirklich Schutz gewähren konnte. Da der Bund für die Unterbringung und Versorgung der Übersiedler einen Beitrag vom Land Schleswig - Holstein forderte und das Land diesen Beitrag nicht zahlen wollte, wich die Außenstelle für die Aufnahme der Übersiedler in die von der Holsten-Brauerei geräumten Gebäude in Neumünster aus.

Am 29. März ergaben sich umfangreiche personelle Veränderungen. Major Franke; der Chef der 1. Batterie, ging als S 3 Stabsoffizier und stellvertretender Bataillonskommandeur zum Panzerartilleriebataillon 85 nach Lüneburg, sein Nachfolger wurde Hauptmann Frömming. Hauptmann Zeyn, der Chef der Ausbildungskompanie 2 / 6, wurde Hörsaalleiter bei der Kampftruppenschule in Hammelburg. Nun folgte Oberleutnant Adelmann nach. Hauptmann Flachsbarth, der FUO, wird Jugendoffizier beim 3. Korps in Koblenz. Sein Nachfolger wurde Hauptmann Adelmann.

Am 14. Juni besuchte der Umweltminister des Landes Schleswig - Holstein, Professor Heydemann, die Panzerbrigade 18. Das Bataillon hatte den Auftrag, ihm alle erreichbaren Simulatoren der Division vorzuführen. Der Minister äußerte bei seiner Verabschiedung den Wunsch, dass die Bundeswehr danach streben möge, die gesamte Ausbildung nur mit Simulatoren, ohne jeglichen Lärm und ohne jegliche Gefährdung durchzuführen.

Vom 27. August - 07. September übte das Bataillon mit einer unterstellten Batterie der 7. ArtAfdeling im scharfen Schuss auf dem Truppenübungsplatz BERGEN. Angesichts des unterschiedlichen Ausbildungsstandes der Batterien des Bataillons und der Besonderheiten bei der dänischen Batterie musste der Schwerpunkt der Ausbildung auf die Durchführung eines Bataillonsschießens gelegt werden unter Vernachlässigung der Gefechtsausbildung. Es gelang, ein Bataillonsschießen mit einfachen Aufgabenstellungen durchzuführen.

Die vom 27. September - 05. Oktober geplante Übung BOLD GUARD des Korps LANDJUT in Schleswig - Holstein wurde kurzfristig abgesagt, weil diese Übung zur Verteidigung Dänemarks und Schleswig - Holsteins angesichts der vorausgegangenen Auflösung des Warschauer Paktes und der Bemühungen der Bundesregierung zur Erreichung der Wiedervereinigung Deutschlands nicht in die politische Lage passte. Am 3. Oktober konnten wir die Wiedervereinigung Deutschlands miterleben. Wie alle Deutschen, die sich über dieses Ereignis freuten, verfolgten auch wir im Bataillon die Rundfunk- und Fernsehübertragungen über dieses Ereignis. Die Auswirkungen der Wiedervereinigung, auch auf Bestand und Umfang der Bundeswehr, konnten zu diesem Zeitpunkt bereits erahnt werden. Die geplante Reduzierung der Truppenstärke von 500 000 Mann auf 370 000 Mann unter gleichseitiger Aufnahme von Personal der 170 000 Mann umfassenden Streitkräften der bisherigen NVA musste sich bis in die Bataillone auswirken. Erforderliche Umgliederungen, Auflösungen und Zusammenlegungen waren die Folge von denen auch unser Bataillon 185 betroffen sein sollte.

Am 12. Oktober übergab der Brigadekommandeur, Brigadegeneral Boege, das Kommando über das PzArtBtl 185 an Oberstleutnant Kammerer. Oberstleutnant Pahl wurde S3 Stabsoffizier im Akademiestab der Führungsakademie Hamburg.

Die Überwindung der deutschen Teilung durch den Beitritt der neuen Bundesländer am 03.10.90 und der Wegfall des Ost-West-Gegensatzes zwischen den großen Machtblöcken markieren eine Zäsur in der sicherheitspolitischen Lage unseres Landes, die unmittelbare Auswirkungen auch auf unser Bataillon hatte. Als Erstes umzusetzen war dabei die Entscheidung, die Dauer des Grundwehrdienstes von 15 auf 12 Monate zu verkürzen. So war eine der vor wenigen Jahren noch undenkbaren Aufgaben, den Aufbau der Bundeswehr in den neuen Bundesländern zu unterstützen und Soldaten, die bisher in der Nationalen Volksarmee gedient hatten, für ihre Weiterverwendung in der Bundeswehr vorzubereiten. Hierzu unterstützte das Bataillon vor allem seinen „Patenverband", das neue Panzerartilleriebataillon 405 in DABEL bei Schwerin, aber auch Artillerietruppenteile in EGGESIN. Dies erfolgte hauptsächlich durch Ausbildungsunterstützung des dortigen Personals bei uns in BOOSTEDT, weil so die laufenden Ausbildungsaufträge des Bataillons und die Unterstützung für die neuen Bundesländer am besten in Einklang zu bringen waren. Hierbei zeigte sich, dass die Bundeswehr vor allem auf ihr Unteroffizierkorps stolz sein konnte. Die zu uns kommandierten Feldwebel, die in der NVA teilweise als Offiziere gedient hatten, waren über das Leistungsvermögen, die Selbstständigkeit aber auch über die im Rahmen der Auftragstaktik eingeräumten Gestaltungsspielräume unserer Unteroffiziere immer wieder erstaunt und hatten in diesem Bereich großen Nachholbedarf. Die jungen Offiziere, die die NVA nicht mehr wirklich „in Aktion" erlebt hatten, fügten sich rasch ein und waren bald von unseren eigenen jungen Offizieren kaum mehr zu unterscheiden. Es zeigte sich aber auch, dass die NVA in der praktischen realitätsnahen Ausbildung -- vor allen bei ihren Ausbildungshilfsmitteln -- pragmatische und einfach handhabbare Lösungen gefunden hatten von denen wir manches lernen konnten. Im IV. Quartal 1990 zeichneten sich aber auch Folgen der strukturellen Veränderungen der Streitkräfte für unser Bataillon konkreter ab. Im November wurden alle Bataillonskommandeure zum Divisionsstab nach NEUMÜNSTER einbestellt und vom Divisionskommandeur über die anstehenden Umgliederungsmaßnahmen informiert. Das Panzerartilleriebataillon 185 sollte im Rahmen der Panzerbrigade 18 erhalten bleiben. Der Divisionskommandeur, GenMaj von Falkenhayn, machte jedoch sehr deutlich, dass hinsichtlich der Personalveränderungen alle Verbände betroffen seien. In der Brigadeartillerie müssten aus den bisherigen vier Bataillonen der Division 165, 177, 185 und 515-künftig zwei (165/177 und 185/515) gemacht werden.

Kurz nachdem dies im Bataillon umgesetzt war, konnte man in der Zeitung lesen, dass das PzArtBtl 185 aufgelöst werden und das F ArtBtl 515 als Brigadeartilleriebataillon der Panzerbrigade 18 weiter bestehen solle. Dienstliche Nachforschungen bestätigten leider diese Meldung. Die Division hatte sich mit ihrem Vorschlag, den der Divisionskommandeur bereits bekannt gegeben hatte, nicht durchsetzen können. Das Ministerium hatte anders entschieden -- dem Vernehmen nach, um den Standort KELLINGHUSEN für die Streitkräfte in lebensfähiger Größe zu erhalten.

Diese bedauerliche Entscheidung hatte allerdings keinen Einfluss auf die bereits begonnene Zusammenarbeit zwischen unserem Bataillon und dem FArtBtl 515 unter Führung seines Kommandeurs, Oberstlt Holzhausen, mit dem Ziel, die Zeit bis zur endgültigen Zusammenführung der Verbände 1993 zu nutzen. Nachdem die STAN des künftigen Panzerartilleriebataillons verhandelt war, wurden abgestimmte Stellenbesetzungslisten erarbeitet, um für möglichst alle Angehörigen beider Truppenteile struktursichere Anschlußverbindungen zu finden. Auch bei Weiterverpflichtungen fand eine enge Koordination zwischen den S 1- Abteilungen statt.

Den Jahresabschluss markierte Anfang November das achte, traditionelle „Garnisonskonzert", das gemeinsam vom Bataillon, der Gemeinde Boostedt und dem Heeresmusikkorps 6 veranstaltet wurde. An den Leiter des Bergheimes konnte ein Scheck in Höhe von DM 2744 übergeben werden.

Im ersten Quartal des Jahres 1991 brach nach längerem Aufmarsch der alliierten Kräfte der GOLF-Krieg aus. Wenn auch die Bundeswehr mit Truppen nicht beteiligt war, so führte uns dieser Krieg doch sehr nachdrücklich vor Augen, dass die internationale Lage nach der Auflösung des Warschauer Paktes durchaus weiter Risiken barg, die den Einsatz militärischer Mittel erforderlich machten. Auch Deutschland würde hier nicht immer abseits stehen können.

Der artilleristische Ausbildungsschwerpunkt unseres Bataillons lag in diesem Jahr in der Einübung der konsequenten Nutzung der Möglichkeiten, die das System IF AB (Integrierte Feuerleitmittel Artillerie-Batterie) auch auf Bataillonsebene bot, da das lange angekündigte Feuerleitsystem ADLER immer noch auf sich warten ließ. Das Bataillon verfügte bereits mit dem Beobachtungspanzer über moderne Zielortungsmittel, über eine Datenfunkstrecke zu den Feuerleitstellen und diese wiederum über Möglichkeiten, für jedes Geschütz auch in aufgelockerter Feuerstellung ein eigenes Feuerkommando zu errechnen und dies über Funk oder Draht als Datentelegramm an die Geschütze zu geben. Durch Einsatz eines Feuerleitpanzers in der Bataillonsfeuerleitstelle und durch selbstentwickelte Verfahren konnten die hohe Geschwindigkeit, Flexibilität und Übertragungssicherheit des Datenfunkes auch auf Bataillonsebene mit drei Feuereinheiten in aufgelockerten Feuerstellungen genutzt werden. Angesichts des hohen Leistungstandes, über den das Bataillon in der herkömmlichen artilleristischen Arbeit „von Hand" verfügte, wurden die Vorteile der konsequenten Nutzung unserer neuen technischen Möglichkeiten auch wegen. der unvermeidlichen Anfangsschwierigkeiten nicht sofort deutlich. Die Geschwindigkeit der Bekämpfung von Zielen mit definierter Zielverteidigung, z. B. längs einer Marschstraße, durch eine Bataillonsfeuerzusammenfassung konnte jedoch auch Skeptiker bald überzeugen.

Zunächst galt es im 1. Quartal jedoch, sich auf den neuen Ausbildungsrhythmus und den geänderten Ausbildungsauftrag des Bataillons einzustellen. Im Zuge der Neuordnung der Unteroffizierausbildung war die 2. Batterie ab 01.04.1991 beauftragt, als Einsatz- und Ausbildungsbatterie fünf- bzw. zwei-monatige Unteroffizierlehrgänge im allgemein militärischen Teil und im militärischen Fachteil durchzuführen. Das 1. Quartal wurde genutzt, sich auf diesen neuen Auftrag vorzubereiten.

Im II. Quartal wurde das Bataillon zum "Ausbildungsverband". Die 2.Batterie führte die ersten Unteroffizierlehrgänge durch, die 3.Batterie und die AusbKp StDst/MKF 2/6 hatten Rekruten zur Allgemeinen Grundausbildung-- dabei 34 Soldaten aus dem Beitrittsgebiet. Dies gab uns die Möglichkeit, am 06.Juni im Rahmen des Gelöbnisverbundes der Division ein Feierliches Gelöbnis in der Öffentlichkeit durchzuführen. Dieses Gelöbnis fand in der Patengemeinde der 3. Batterie, in Großenaspe, mit über 1000 Gästen aus dem ganzen Bundesgebiet bei strahlendem Sonnenschein statt und war ein großer Erfolg. Als Gastredner sprach der Landrat des Kreises Segeberg, Herr Görrissen.

Das Bataillon ging dann einschließlich der Ausbildungskompanie 2/6 ins Biwak, was von schönem Herbstwetter begünstigt wurde. Als sehr hilfreich erwies sich hierbei die Möglichkeit, aus den „Verdichtungslagern" der ehemaligen NVA große Zelte in erstklassigem Zustand für die Unterbringung der Soldaten zu bekommen, weil unsere eigenen Einheitszelte mal wieder wegen Asbestgefahr gesperrt waren.

Artilleristisch wurden die neuen Feuerleitverfahren im Bataillonsrahmen im scharfen Schuss weiter eingeübt. Die 3 .Batterie konnte im Rahmen der Spezialgrundausbildung ihr erstes Scharfschießen durchführen, die 2.Batterie schoss mit ihren Lehrgangsteilnehmern am Unteroffizier- Lehrgang. Höhepunkt war die Beteiligung am Vorführungsschießen des Artillerieregiments 6 am 05/06.09.1991. Zum 01.10 .1991 wechselte die Führung in beiden schießenden Batterien. Im Rahmen eines Feierlichen Bataillonsappells wurde die 2.Batterie von Hptm Möller an Hptm Nickel, die 3. Batterie von Hptm Hunger an Oberleutnant Prevot übergeben.

Neben aller dienstlichen Belastung und Ausbildung sollte auch die Betreuung der Soldaten nicht zu kurz kommen. Die Rantzau-Kaserne war im Bereich des I. Korps für den Truppenversuch „Zentralisierung von Betreuungseinrichtungen" ausgesucht worden. So konnte im Laufe des Jahres unter Leitung des hierfür freigestellten Geschützzugführers der 3. Batterie, HFw Grüner, in einem eigens dafür hergerichteten Gebäude das „Freizeitzentrum" der Rantzau-Kaserne in Betrieb genommen werden. Durch Bündelung der verfügbaren Haushaltsmittel wurden insgesamt über DM 70.000 investiert, um für die Soldaten der Garnison moderne Betreuungseinrichtungen von der Bibliothek über Fahrradverleih bis zum Fotolabor, Sauna und Fitness-Räumen zur Verfügung zu stellen.

Ursprünglich sollte das Bataillon wie gewohnt seine Kettenteile im Eisenbahnmarsch nach MUNSTER verlegen. Eine Woche vor Abmarsch wurden die notwendigen Eisenbahntransportgelder gekürzt und es stellte sich die Frage, was nun werden sollte. Die Division fasste den Entschluss, alle für diesen Übungsplatzaufenthalt vorgesehenen Kräfte-- auch die Kettenteile -- im Landmarsch nach MUNSTER zu verlegen. Für die Anlage einer ordentlichen Übung, mit der diese Verlegung hätte verbunden werden können, fehlte die Zeit. So verlegten auch die Beobachtungs- und Feuerleitpanzer ebenso wie die Panzerhaubitzen des Bataillons in einer Marschübung im Landmarsch von fast 200km von BOOSTEDT über LÜNEBURG nach MUNSTER. Ein prägendes Erlebnis insbesondere für die Fahrer, die solch lange Strecken nicht gewohnt waren! Zufrieden konnte vermerkt werden, dass das Bataillon ohne technische Ausfälle am Zielort anlangte. Während die Bataillonsführung schon daran arbeitete, wenigstens den Rückmarsch in ein richtiges Übungsvorhaben einzubetten, ergab sich folgende Entwicklung: Da nicht nur unser Bataillon, sondern auch Kampfpanzer unserer Brigade und Brückenlegepanzer aus LÜBECK im Landmarsch gerollt waren und den Verkehr auf dem Straßennetz in Süd-Schleswig-Holstein zum Erliegen gebracht hatten, konnte sich der Divisionsstab vor wütenden Anrufen der Bürger und kommunalen Behörden kaum retten. Entschluss deshalb: Rückverlegung der Kettenteile mit der Eisenbahn! Geld hierfür war nun plötzlich wieder da.

Das neue Jahr 1992 begann erfreulich: Nach gerade einem Jahr war entschieden worden, den Lehrauftrag aus der 2.Batterie wieder abzugeben. So erhielt die 2. Batterie parallel zum auslaufenden letzten Lehrgang bereits am 01. Januar 1992 achtzig neue Rekruten und die 3. Batterie wurde zum 01. April 1992 komplett mit neuen Soldaten aufgefüllt. Diese Entscheidung führte dazu, dass trotz nominell heranrückender „Auflösung" des Bataillons mit voller Kraft ausgebildet wurde und kein Leerlauf eintreten konnte. Andererseits waren wir zunehmend auf personelle Unterstützung seitens unseres „Fusionspartners" FArtBtl 515 aus Kellinghusen angewiesen, weil mit Blick auf die Fusion der Bataillone unsere eigene Personaldecke immer dünner wurde.

Ein weiterer erfreulicher Punkt war der Zulauf der neuen, tragbaren Zielortungsgeräte. Mit ihnen erhielt das Bataillon sehr handhabungsfreundliche Laserentfernungsmesser mit eingebautem Kreiselkompass, wodurch die Arbeit der Beobachter im abgesessenen Einsatz oder auf dem Kanonenjagdpanzer als Beobachtungsfahrzeug erheblich erleichtert wurde. Leider waren diese Geräte nur sehr begrenzt datenfunkfähig, sodass die inzwischen weitgehend datenfunkgestützten artilleristischen Funkkreise wieder verstärkt mit Sprechfunk überlagert werden mussten.

Mitten in der Urlaubszeit ein plötzlicher Höhepunkt ganz anderer Art. Am Montag, den 19. Juli 1992 wird abends gegen 17 .00 Uhr der Bataillonskommandeur--zugleich Kasernenkommandant der Rantzau-Kaserne-- informiert, dass am kommenden Morgen ein russisches Inspektionsteam eine KSE-Inspektion durchführen will. Der Hintergrund: Am 17. Juli 1992 ist der Vertrag über „Konventionelle Streitkräfte in Europa" in Kraft getreten, der den Vertragspartnern das Recht einräumt, Vor-Ort Inspektionen bei fremden Streitkräften mit nur sechsstündiger Voranmeldung vorzunehmen, um die Richtigkeit gemeldeter Stärken an Kampffahrzeugen zu überprüfen. Zwar waren wir allgemein darauf vorbereitet, aber dass ausgerechnet die Rantzau-Kaserne in BOOSTEDT als Objekt der ersten „scharfen" KSE-Inspektion ausgesucht werden würde, damit hatte doch niemand gerechnet. Hektische Betriebsamkeit war die Folge, vor allem, um die Zugänglichkeit aller Hallen mit Toren über 2m Breite in der Kaserne sicherzustellen und einen letzten Abgleich der gemeldeten Zahlen vorzunehmen. Am 20. Juli um 08:00 stand das russische Inspektionsteam unter Führung von Oberst Lev Patsiorin in Begleitung einer Abordnung des Geilenkirchener Zentrums für Verifikationsaufgaben vor der Tür, erhielt das Eingangsbriefing und die Inspektion begann. Bis auf die bereits aus den früheren Verhandlungen und „Probeinspektionen" bekannten Streitpunkte, z. B. der Einstufung unserer Beobachtungspanzer, die ja eigentlich Kanonenjagdpanzer ohne Waffenanlage sind, verlief die Inspektion erfolgreich und ohne größere Probleme.

Der Hauptanlass des Bataillonsappells an diesem Tag war jedoch die Verabschiedung des Kommandeurs. Oberstleutnant Kammerer musste einen neuen Dienstposten in der Personalabteilung des Ministeriums antreten. Er konnte daher das Bataillon nicht mehr bis zu seiner Auflösung im Oktober führen. So wurde der stellvertretende Bataillonskommandeur, Major Herwig, mit der Führung des Bataillons beauftragt.

Unmittelbar im Anschluss galt es, den letzten artilleristischen Höhepunkt des Bataillons vorzubereiten. Vom 14.-28.09. nahm das Bataillon mit der Stabs u. VersBttr und mit der 2. Batterie an einer multinationalen Gefechtsübung in Dänemark (BOLD GROUSE) auf der Insel Seeland teil. Außer dem PzArtBtl 185 waren das PzGrenBtl 182 aus Bad Segeberg und eine Aufklärungskompanie aus Eutin an dieser Übung beteiligt. Im Eisenbahntransport wurde das Bataillon via Puttgarden nach Dänemark verlegt. Knapp 15 km nordwestlich von Kopenhagen wurde nach 1 7 Stunden Bahnfahrt in Hilleröd entladen. Von dort rollten die Ketten und Rad-Kfz in die Kaserne nach Själsmark. Das 1. Bataillon des königlichen Artillerieregiments betreute dort eine Woche die Holsteiner Panzerartilleristen, bevor das NATO-Manöver BOLD GROUSE begann. Die erste Woche diente der Einübung von NATO-Schießverfahren mit dem dänischen Patenbataillon der 7. Artillerieafdeling aus Varde. Das Zielgebiet für das letzte Scharfschießen des Bataillons lag im Roskilde-Fjord (Teils Ostsee - teils Land). Am 17.09.1992 um 1453 Uhr wurde der letzte scharfe Schuss des PzArtBtl 185 durch Major Herwig persönlich abgefeuert. Er lag wie immer im Ziel. Der Treibladungsanzünder (Primer) des letzten Schusses steht heute als Erinnerung bei OTL Herwig auf dem Schreibtisch.

Am 30. September wurde der damalige Brigadekommandeur, General Böge, im Rahmen eines Brigadeappells auf dem StOÜbPl Boostedt verabschiedet. Alle Bataillone und selbstständigen Einheiten der Brigade marschierten in voller materieller Stärke mit allen GefKfz an der Ehrentribüne des Brigadekommandeurs vorbei. Dies war zugleich der letzte Gefechtsmarsch des PzArtBtl 185 in Gefechtsgliederung und voller Stärke. In der ersten Oktoberwoche wurden die Batterien des Bataillons im Rahmen eines Gefechtsmarsches auf der Straße nach Kellinghusen verlegt. Damit wurde das Material des Bataillons an das PzArtBtl 515 übergeben. Am 08. Oktober fusionierte das PzArtBtl 185 im Rahmen eines Appells in Kellinghusen mit dem PzArtBtl 515. Hierzu hatte der Brigadekommandeur eingeladen.

Das Kommando über Personal und Material des Bataillons wurde von Major Herwig an den Kommandeur des PzArtBtl 515 übergeben. Symbolisch geschah dies durch das Anbringen des Btl-Wappens in Form des Brustanhängers an die linke Brusttasche des Kommandeurs PzArtBtl 515. Damit ging die Ära des stolzen Panzerartilleriebataillons 185 zu Ende. Major Herwig übernahm am 12. Oktober als BtlKdr das PzArtBtl 415 in Eggesin. Das Personal des PzArtBtl 185 wurde größtenteils in das PzArtBtl 515 integriert. In seiner Ausgabe vom 10. Oktober berichtete der STÖR BOTE über die Auflösung des Panzerartilleriebataillons 185 und den Neuanfang des Panzerartilleriebataillons 515.

So ganz waren die Aktivitäten der alten 185-er mit der Übergabe aber noch nicht erloschen. Am 23. Oktober gab es in Boostedt noch eine Abschiedsveranstaltung in Form eines schon lange für diesen Termin geplanten Oktoberfestes, zu dem mit nebenstehender Einladung gebeten wurde. Wie alle Feste in den vergangenen Jahren wurde auch dieses Oktoberfest eine gelungene Veranstaltung, bei der die Offiziere und Unteroffiziere mit ihren Gästen bis weit in den Morgen hinein feierten. Die Stimmung ließ ein wenig die Wehmut vergessen, die über dieser letzten großen Feier unseres Bataillons schwebte. Seit 1993 gibt es eine Erinnerungstafel an das PzArtBtl 185 in Form einer Messingplatte am Gebäude des Schulstabes der Artillerieschule in Idar-Oberstein. Diese Erinnerungstafel wurde dem Schulkommandeur- Brigadegeneral Fischer- am 22.4.93 von einer Delegation ehemaliger Angehöriger des Panzerartilleriebataillons unter Führung von OTL Kammerer übergeben. Zufällig konnte auch Major Herwig an dieser Zeremonie teilnehmen, er befand sich gerade zur Kommandeur-Tagung in Idar-Oberstein.

Die Chronik unseres Bataillons endet hier mit dem Jahrgang 1992, ein Jahr früher als der vom FüH für die Auflösung befohlene Termin. Die Entwicklung der personellen Lage im Jahre 1992, insbesondere auch die frühzeitigen Versetzungen von Kommandeur und Stellvertreter, zwang damals die 6. Panzergrenadierdivision zu einer vorgezogenen Fusion der beiden Artilleriebataillone. Obwohl damit das Panzerartilleriebataillon 185 praktisch nicht mehr existierte, bestand es ST AN-mäßig bis zum offiziellen Auflösungstermin, dem 30. September 1993, fort. Dieses offizielle Datum findet sich auch auf den beiden Erinnerungstafeln in Idar-Oberstein und in Kellinghusen wieder.

 


Ein herzliches Dankeschön an OTL a.D. Welsch für die Bereitstellung der Chronik über das Panzerartilleriebataillon 185.